Queere Community fordert nach CSD-Terror Schutz im Grundgesetz
Queere fordern nach CSD-Terror Schutz im Grundgesetz

Mahnwache im Tiergarten mit rund 1.000 Teilnehmenden

Gut eine Woche nach dem islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) haben am Sonntagabend rund 1.000 Menschen im Berliner Tiergarten der Opfer gedacht. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg und der LSVD-Bundesverband hatten zu der Mahnwache eingeladen. Bei dem Anschlag vom 25. Juli war eine Frau getötet worden, 31 Menschen wurden verletzt.

Nach Angaben der Berliner Polizei versammelten sich etwa 1.000 Teilnehmende an der Unglücksstelle. Unter ihnen waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik: Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr und SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Auf der Bühne sprachen jedoch ausschließlich Menschen aus der queeren Community – ein ausdrücklicher Wunsch der Organisatoren, die den Opfern und Betroffenen selbst eine Stimme geben wollten.

„Liebe ist stärker als der Hass“

Die Atmosphäre bei der Gedenkveranstaltung war von tiefer Trauer und gleichzeitigem Zusammenhalt geprägt. Viele Teilnehmende hatten Tränen in den Augen, andere ließen ihrer Wut freien Lauf. Immer wieder rief die Menge im Chor: „Liebe ist stärker als der Hass!“ Es sei ein Abend der Solidarität, aber auch der deutlichen politischen Botschaften gewesen, sagten mehrere Rednerinnen und Redner.

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Julia Miosga vom CSD-Verein Berlin machte in ihrer Rede klar: „Wir lehnen jede Form der Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien verfolgen das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken.“ Gleichzeitig betonte sie, dass islamistischer Terror klar und ohne Relativierung benannt werden müsse. Genauso wichtig sei es, der Instrumentalisierung der Tat entgegenzutreten – etwa durch Hass auf Musliminnen und Muslime oder Menschen bestimmter Herkunft. „Was wir stattdessen brauchen, sind Besonnenheit und die Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen“, so Miosga. „Wir müssen unser Augenmerk auf die Dinge lenken, die uns als Gesellschaft, als queere Community einen.“

Forderungen nach Grundgesetz-Änderung und Gewalthilfegesetz

Patrick Müller-Kampa vom LSVD Berlin-Brandenburg richtete den Blick nach vorn. „Wir brauchen endlich die ausdrückliche Aufnahme des Schutzes queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes“, forderte er. Bisher schützt das Grundgesetz unter anderem vor Diskriminierung wegen des Geschlechts, der Herkunft oder der Religion – die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität fehlen allerdings als ausdrückliches Merkmal. Diese Lücke sei nach dem Anschlag nicht länger hinnehmbar, so Müller-Kampa.

Darüber hinaus sprach er sich für ein Berliner Gewalthilfegesetz aus, das queere Menschen ausdrücklich mitdenkt. „Es muss sicherstellen, dass Betroffene von Gewalt die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“, sagte er. Damit griff er eine langjährige Forderung der Community auf, die nach dem Anschlag neue Dringlichkeit bekommen hat.

„Ich bin wütend auf alle, die den Hass salonfähig machen“

Doreen Hoffmann vom CSD Deutschland appellierte an die Verantwortung der Politik. Die Anteilnahme in den vergangenen Tagen sei riesig und berühre sie sehr. „Aber ich bin auch wütend“, sagte Hoffmann. Sie sei wütend auf Extremisten – gleich ob sie sich einer politischen Ideologie oder religiösem Fanatismus verschrieben hätten. „Ich bin wütend auf alle, die den Hass auf queere Menschen wieder salonfähig machen.“ Scharf kritisierte sie auch Politikerinnen und Politiker, die queere Rechte ständig infrage stellten und nach dem Anschlag nur Betroffenheit zeigten. „Wir brauchen konsequenten Schutz, klare Haltung und politische Verantwortung“, forderte Hoffmann.

Der Anschlag vom 25. Juli: Autoattacke und Machetenangriff

Der Terroranschlag ereignete sich am 25. Juli im Berliner Tiergarten, unmittelbar am Rande des CSD. Ein 21-jähriger Islamist steuerte seinen Wagen zunächst in eine Menschengruppe und erfasste mehrere Passanten. Anschließend griff er – nach Angaben der Ermittler vermutlich mit einer Machete – weitere Menschen an. Eine Frau starb an den Folgen des Angriffs, 31 Personen wurden verletzt.

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Der Attentäter konnte unmittelbar nach der Tat entkommen, wurde jedoch am darauffolgenden Tag in Berlin von der Polizei entdeckt. Bei dem Versuch, ihn festzunehmen, schossen die Beamten auf den Mann und töteten ihn. Die Ermittler gehen von einer islamistischen Tatmotivation aus. Der Anschlag hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Debatte über den Schutz queerer Veranstaltungen verstärkt.

Die Mahnwache im Tiergarten endete mit einem klaren Signal an die Politik: Mitgefühl allein reicht nicht. Die queere Community verlangt konkrete rechtliche Schritte – die Aufnahme in Artikel 3 des Grundgesetzes und ein Gewalthilfegesetz, das niemanden zurücklässt.