Die Frankfurter Polizei ermittelt nach zwei mutmaßlich queerfeindlichen Vorfällen am frühen Sonntagmorgen, die sich innerhalb weniger Stunden und nur einen Tag nach dem Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ereigneten. Die Behörden suchen dringend Zeugen, die Hinweise zu den Tätern geben können.
Angriff auf der Konstablerwache
Gegen 6.00 Uhr morgens wurde eine 26-jährige Person aus der queeren Community auf der Konstablerwache, einem zentralen Platz in der Frankfurter Innenstadt, Opfer einer gewalttätigen Attacke. Nach Polizeiangaben näherte sich ein bislang unbekannter Mann der Person und beleidigte sie aufgrund ihrer Kleidung. Im weiteren Verlauf schlug der Täter der 26-Jährigen mit der flachen Hand unterhalb des Ohrs. Das Opfer erlitt leichte Verletzungen, musste jedoch nicht medizinisch behandelt werden. Der Angreifer flüchtete anschließend in unbekannte Richtung. Die Polizei bittet nun um Mithilfe: Wer hat den Vorfall beobachtet oder kann den Täter beschreiben? Hinweise nimmt das 1. Polizeirevier unter der Telefonnummer 069/755-10100 entgegen.
Weitere Bedrohung in der Casparistraße
Nur wenige Stunden später, ebenfalls am Sonntagmorgen, kam es in der Casparistraße, nahe der Frankfurter Innenstadt, zu einem weiteren Vorfall mit mutmaßlich queerfeindlichem Hintergrund. Eine 42-jährige Person hatte sich dort nach ersten Ermittlungen mit einem unbekannten Mann verabredet. Stattdessen erschienen plötzlich vier Jugendliche oder junge Erwachsene, die die Person beleidigten und bedrohten. Einer der Verdächtigen hielt dabei einen Hammer in der Hand. Als die geschädigte Person zu ihrem Auto lief, gesellte sich ein fünfter Täter hinzu. Die Gruppe setzte ihre Beleidigungen fort, die gezielt die sexuelle Orientierung der Person betrafen. Das Opfer konnte sich schließlich mit dem Auto entfernen und die Polizei informieren. Die Beamten fahnden nun nach den fünf Tatverdächtigen, deren Identität noch unbekannt ist.
Ermittlungen der Polizei
Die Frankfurter Polizei hat in beiden Fällen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung aufgenommen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt bestätigte, dass derzeit alle Hinweise aus der Bevölkerung ausgewertet werden. „Wir nehmen queerfeindliche Straftaten sehr ernst und setzen alle verfügbaren Ressourcen ein, um die Täter zu identifizieren“, erklärte der Sprecher. Die Polizei bittet Zeugen, die in der Konstablerwache oder der Casparistraße verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Auch Hinweise aus sozialen Medien oder Videoaufnahmen könnten entscheidend sein.
Die beiden Vorfälle reihen sich in eine Serie queerfeindlicher Übergriffe in Frankfurt ein. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr in Hessen 78 Straftaten mit queerfeindlichem Hintergrund verzeichnet, ein Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Stadt Frankfurt gilt als liberal, doch Aktivisten der LGBTQ+-Community beklagen eine zunehmende Verrohung im öffentlichen Raum.
Reaktionen aus der Community
Die Vorfälle lösten in der queeren Szene Frankfurts Bestürzung aus. Der Verein „Queer Frankfurt“ kündigte an, eine Mahnwache zu organisieren und forderte eine verstärkte Polizeipräsenz an bekannten Treffpunkten der Community. „Solche Angriffe sind kein Einzelfall – sie sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das Hass und Ausgrenzung begünstigt“, so eine Sprecherin. Der CSD Frankfurt, der für Ende August geplant ist, steht nun unter besonderem Schutz.
Parallel zu den Frankfurter Ereignissen sorgte der Terroranschlag auf den CSD in Berlin, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden, für erhöhte Wachsamkeit. Die Sicherheitsbehörden in ganz Deutschland haben ihre Maßnahmen für CSD-Veranstaltungen verschärft. Die Frankfurter Polizei erklärte, dass sie im Vorfeld des CSD eng mit den Veranstaltern zusammenarbeite, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten.



