In vielen Regionen Deutschlands ist Wasser knapp, doch trotzdem wässern zahlreiche Hausbesitzer ihren Rasen. Diese Praxis sorgt für Diskussionen. Ist es vertretbar, kostbares Trinkwasser für die Grünfläche zu verwenden, während andernorts das Wasser rationiert wird? Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Argumente für und gegen das Bewässern des Rasens im Sommer.
Die Ausgangslage: Wassermangel in Deutschland
Die letzten Jahre waren von Trockenheit geprägt. Laut Umweltbundesamt sind die Grundwasserstände vielerorts gesunken. In einigen Kommunen gilt bereits ein Bewässerungsverbot für Gärten. Dennoch sieht man vielerorts Rasensprenger laufen. Das führt zu Konflikten zwischen Nachbarn und wirft Fragen nach der Verantwortung auf.
Der Wasserverbrauch für die Gartenbewässerung ist erheblich. Nach Schätzungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft werden in Deutschland jährlich rund 1,2 Milliarden Kubikmeter Wasser für die Bewässerung von Grünflächen verwendet. Das entspricht etwa dem Inhalt von 480.000 olympischen Schwimmbecken. Ein Großteil davon entfällt auf private Gärten.
Pro: Rasen als wichtiger Bestandteil des Gartens
Befürworter des Wässerns argumentieren, dass ein gepflegter Rasen nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch einen Beitrag zum Klima leistet. Eine gut bewässerte Rasenfläche kühlt die Umgebung, bindet Staub und produziert Sauerstoff. Zudem ist der Rasen für viele Familien ein Ort der Erholung und des Spiels. Ein vertrockneter Rasen erfüllt diese Funktionen nicht mehr.
Ein weiteres Argument ist die wirtschaftliche Seite: Ein Haus mit gepflegtem Garten hat einen höheren Wert. Wer in sein Eigentum investiert, möchte es auch erhalten. Zudem gibt es technische Lösungen, wie Regenwassernutzung oder intelligente Bewässerungssysteme, die den Wasserverbrauch reduzieren können. Diese zeigen, dass Bewässerung nicht zwangsläufig verschwenderisch sein muss.
Contra: Wasser ist ein kostbares Gut
Gegner halten dagegen, dass Trinkwasser in Zeiten des Klimawandels nicht für die Bewässerung von Zierrasen verwendet werden sollte. Sie verweisen auf die vielen Regionen, in denen Wasser bereits knapp ist. In Spanien oder Italien etwa wird das Wasser für die Landwirtschaft priorisiert. Auch in Deutschland könnte es in den kommenden Jahren zu Engpässen kommen.
Hinzu kommt, dass ein Großteil des Wassers durch Verdunstung verloren geht. Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin verdunsten bei der Rasenbewässerung bis zu 50 Prozent des Wassers, bevor es im Boden ankommt. Das ist ineffizient und verschwendet Ressourcen. Stattdessen könnten trockenresistente Gräser oder natürliche Gärten die Lösung sein.
Kommunale Regelungen und Vorbildfunktion
Viele Städte und Gemeinden haben bereits reagiert. In einigen bayerischen Kommunen gilt ein Bewässerungsverbot zwischen 11 und 17 Uhr. Andere erlauben das Wässern nur mit Regenwasser. „Wir müssen den Umgang mit Wasser überdenken. Jeder kann einen Beitrag leisten, indem er seinen Wasserverbrauch reduziert“, sagt ein Sprecher des Umweltministeriums.
Diese Regelungen zeigen, dass das Thema ernst genommen wird. Wer seinen Rasen wässert, sollte sich über die lokalen Vorschriften informieren. Zudem sollte man auf sparsame Methoden setzen, wie das Bewässern in den frühen Morgenstunden, um die Verdunstung zu minimieren.
Alternativen zum klassischen Rasen
Eine Möglichkeit, den Wasserverbrauch zu senken, ist die Umgestaltung des Gartens. Statt eines englischen Rasens könnten Blumenwiesen, Steingärten oder heimische Pflanzen gepflanzt werden, die weniger Wasser benötigen. Diese bieten zudem Lebensraum für Insekten und tragen zur Biodiversität bei.
Wer auf den Rasen nicht verzichten möchte, kann auf spezielle Grassorten zurückgreifen, die trockenheitsresistent sind. Diese benötigen deutlich weniger Wasser und bleiben auch bei Hitze grün. So lässt sich der Wasserverbrauch erheblich reduzieren, ohne auf einen grünen Rasen zu verzichten.
Fazit: Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser
Die Debatte um das Rasenwässern ist symptomatisch für den Umgang mit Ressourcen. Es geht nicht darum, auf jegliche Bewässerung zu verzichten, sondern darum, bewusst und sparsam zu handeln. Jeder sollte sich fragen, ob eine Bewässerung notwendig ist und ob es Alternativen gibt. Letztendlich ist Wasser ein Gemeinschaftsgut, das für kommende Generationen erhalten werden muss.



