Sex ohne Zustimmung: „Heute würde ich sagen, er hat mich vergewaltigt“
Sex ohne Zustimmung: „Heute würde ich sagen, er hat mich vergewaltigt“

Lina war 18, als ihr Freund Sex begann, ohne sie zu fragen. Sie stimmte nicht zu, ließ es aber geschehen. Erst Jahre später verstand sie, dass nicht ihr Schweigen entscheidend war, sondern seine fehlende Frage. „Heute würde ich sagen, er hat mich vergewaltigt“, sagt die heute 24-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der Abend, der alles veränderte

Lina, die aus China stammt und heute in Europa lebt, erinnert sich genau an jenen Abend. Sie war zum ersten Mal bei ihrem Freund. Nach einem Kuss begann er, ohne nachzufragen, mit ihr intim zu werden. Sie sagte nichts, fühlte sich aber unwohl. Als sie das Zimmer verließ, saß er bereits wieder vor seinem Computerspiel. „Ich war irritiert und konnte nicht einordnen, was passiert war“, erzählt sie.

Die schwierige Einordnung von Grenzverletzungen

Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, sexuelle Grenzüberschreitungen sofort als solche zu erkennen. Eine Sexologin erklärt, dass dies häufig an gesellschaftlichen Normen und mangelnder Aufklärung liege. „Opfer suchen oft die Schuld bei sich selbst, besonders wenn sie den Täter kennen oder eine Beziehung zu ihm hatten.“ Linas Fall ist typisch: Sie dachte lange, sie hätte durch ihr Schweigen eingewilligt.

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Der Weg zur Erkenntnis durch Therapie

Erst in einer Therapie konnte Lina das Erlebte als Vergewaltigung benennen. „Ich lernte, dass Einwilligung aktiv und klar sein muss – nicht nur das Fehlen eines Neins.“ Die Therapie half ihr, ihre eigenen Grenzen besser zu verstehen und zu setzen. Heute kann sie offener über das Geschehene sprechen und andere Betroffene ermutigen, sich Hilfe zu suchen.

Gesellschaftliche Implikationen und Handlungsbedarf

Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, das Konzept der Zustimmung zu vermitteln. Sexualerziehung sollte betonen, dass Sex nur mit beidseitigem, enthusiastischem Ja okay ist. Lina wünscht sich mehr Sensibilisierung: „Viele denken, Vergewaltigung sei nur etwas mit Gewalt. Aber auch Schweigen ist keine Zustimmung.“

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