500-Euro-Prämie für katholische Taufe: Debatte in Starnberg
Streit um 500 Euro Taufprämie in Starnberg

Ein Unternehmer aus Starnberg bietet Familien 500 Euro, wenn sie ihr Kind katholisch taufen lassen. Die Aktion mit dem Namen „Starnberger Schutzengel“ wird von Peter Löw finanziert, der sein Vermögen unter anderem mit Immobilien gemacht hat. Bereits viermal hat er das Geld in bar in einem Umschlag übergeben. Insgesamt hat er 20.000 Euro für bis zu 40 Taufen bis Jahresende eingeplant. Mehrere Medien berichteten über die Initiative.

Pfarrer sieht Hilfe für Familien in teurer Region

Stadtpfarrer Andreas Jall von der Starnberger Pfarreiengemeinschaft räumt ein, dass die Aktion in der Gemeinde kontrovers diskutiert wird. „Wir haben Pfarreimitglieder, die sagen, du verkaufst damit das Ansehen der Kirche“, sagte Jall der Deutschen Presse-Agentur. Er selbst verteidigt die Prämie jedoch: „Aber ich schaue da von unten her drauf: Wir wollen Familien helfen in dieser hochpreisigen Gegend.“ Der Landkreis Starnberg gilt in Studien regelmäßig als Region mit besonders hohen Lebenshaltungskosten.

Der Unternehmer Peter Löw erklärte der „Bild“-Zeitung, er wolle mit der Prämie einen Anreiz schaffen: „Meine acht Kinder sind alle getauft. Ich habe mit jemandem aus dem Gemeinderat gesprochen. Er sagte, es habe in den letzten Monaten nur wenige Taufen gegeben. Da dachte ich mir: Wie soll es denn in Zukunft weitergehen? Wenn ein kleiner Beitrag dazu führt, dass Eltern einen kleinen Schubs bekommen und sich für die Taufe entscheiden, dann ist das doch etwas Schönes.“ In einer Mitteilung sprach Löw von einem „Zeichen der Verbundenheit mit der christlichen Gemeinschaft vor Ort“.

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Pfarrer: „Wir kaufen uns keine Christen“

Stadtpfarrer Jall betont, dass es nicht darum gehe, mit Geld neue Kirchenmitglieder zu gewinnen: „Wir kaufen uns keine Christen.“ Die Initiative sei vielmehr als konkrete Familienhilfe gedacht. Als Löw Hilfe angeboten habe, habe Jall ihm Eltern von Täuflingen als Beispiel genannt – und der Unternehmer habe die Aktion ins Leben gerufen. Der Regensburger Moraltheologe Rupert Scheule sprach gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gar von einem „sakramentalen Kopfgeld“. Jall räumt unterschiedliche Sichtweisen ein: „Da gibt es auch moralische Vorbehalte – aber Moral muss man sich eben manchmal auch leisten können.“

Beschränkungen gegen Tauftourismus

Um Missbrauch zu vermeiden, hat die Kirchengemeinde die Aktion eingeschränkt. Die 500 Euro gibt es nur für Kinder bis zu drei Jahren, deren Familien in der Starnberger Pfarreiengemeinschaft gemeldet sind. Bislang habe die Aussicht auf Geld nicht zu einem Ansturm geführt, berichtet Jall: „Die vier Taufen, bei denen das Geld schon übergeben wurde, waren auch schon ein halbes Jahr im Vorhinein angemeldet.“ Neben dem Geld erhalten die Familien ein Stofftier und ein Evangelium. Löw kündigte an: „Am Ende des Jahres werden wir uns anschauen, ob die Aktion sinnvoll war oder nicht.“

Jall betont, dass das Geld letztlich nur ein zusätzliches Geschenk zur Taufe sei. „Ich wünsche jedem das Geschenk des Glaubens, aber das soll in Freiheit geschehen – und nicht um Geld abzugreifen.“ Die Kirchengemeinde vermittelt lediglich zwischen Löw und den Eltern. Die Debatte zeigt, wie unterschiedlich die Aktion in der Gemeinde und darüber hinaus gesehen wird.

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