Hannover – Mit einem roten Herzballon in der Hand wird Anna auf einer Krankentrage über den Stadtfriedhof Stöcken in Hannover geschoben. Auf ihrer blauen Decke liegen rote und weiße Rosen. Laufen kann die schwer krebskranke Frau nicht mehr. Niemand weiß, wie viel Zeit der 60-Jährigen noch bleibt. Doch ihr wird noch ein letzter Wunsch erfüllt: Vor Anna wird ein heller Eichensarg zu einem Grab gerollt. Anna ist auf dem Weg zur Beerdigung ihrer Mutter, um sich ein letztes Mal von ihr zu verabschieden.
Krankenkasse zahlt nur Behandlungsfahrten
Die Krankenkasse zahlt nur Fahrten zu Behandlungen – nicht zu Beerdigungen. Deshalb wandten sich Anna und ihr Mann Horst an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Niedersachsen. Ehrenamtliche dort erfüllen Wünsche von schwer Erkrankten. Projektleiterin Julia-Marie Meisenburg (50) erklärte gegenüber BILD: „Annas Mutter ist vor vier Wochen gestorben.“ Anna ist nicht der richtige Name der Patientin aus Wunstorf bei Hannover. Da sich ihr Gesundheitszustand in den vergangenen Tagen verschlechtert hat, konnte der Reporter nicht mehr mit ihr sprechen. Deshalb bewahrt BILD ihre Privatsphäre und gibt ihr den Namen Anna.
Ehemann bestand darauf, seine Frau selbst zu ziehen
Die Helfer vom Wünschewagen hatten Anna und ihren Mann am Vormittag etwa 40 Minuten vom Friedhof entfernt zu Hause in Wunstorf abgeholt. Meisenburg sagte: „Bei dem Transport waren zwei unserer Ehrenamtlichen dabei, die die Rolltrage schieben sollten.“ Horst, ihr Ehemann, hat aber darauf bestanden, seine Frau persönlich zum Grab ihrer Mutter zu ziehen. Die Sargträger trugen Zylinder, als sie die Lafette der Mutter zum Grab rollten.
Rührende Abschiedsszene am offenen Grab
Am offenen Grab dann die rührende Szene: Anna hielt noch immer den roten Ballon in der Hand, als der Leichnam hinuntergelassen wurde. Liegend warf Anna ihrer Mutter Monika die drei Rosen ins Grab. Dann ließ Anna den Herzballon über ihrem Sarg als letzten Gruß in den Himmel steigen. Leise sagte sie: „Gute Reise, Mama. Wir sehen uns bald wieder!“
Letzter Wunsch geändert
Anna hatte, bis sie vom Tod ihrer Mutter erfuhr, eigentlich einen anderen letzten Wunsch: „Natürlich wäre ich auch gerne mit euch ans Meer gefahren“, sagte sie zu den Helfern des Wünschewagens. „Doch diese Beerdigung ist mir so wichtig – ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe.“ Die Helfer des Wünschewagens, Steffi Täubert (57, Ärztin) und Christiane Schrader (66, Pflegefachkraft), hatten für die Patientin drei Rosen besorgt, die sie ihrer Mutter ins Grab werfen wollte. Für Anna ging damit einer ihrer letzten Wünsche in Erfüllung. Die Rückfahrt sei von großer Dankbarkeit erfüllt gewesen, so Meisenburg zu BILD.



