Jahrelange Odyssee: Als niemand Susanns Migräne ernst nahm
Susann Beule, heute 30 Jahre alt, litt über mehr als zehn Jahre unter schweren Migräneattacken, die ihren Alltag immer wieder lahmlegten. Weder Ärzte noch ihr Umfeld nahmen die neurologische Erkrankung zunächst ernst. Erst nach einer langen Leidenszeit stieß sie über einen Arzt und soziale Medien auf eine ungewöhnliche Therapie: Botox-Injektionen. Das Nervengift, das normalerweise zur Faltenbehandlung eingesetzt wird, soll bei chronischer Migräne Linderung verschaffen.
Botox als letzte Hoffnung: Die Entscheidung zur Behandlung
Nachdem konventionelle Medikamente versagten, entschloss sich Susann zu Botox. Die Behandlung kostet pro Sitzung mehrere hundert Euro und wird nicht immer von der Krankenkasse übernommen. Sie ließ sich das Nervengift in die Stirn-, Schläfen- und Nackenmuskulatur spritzen. Bereits nach der ersten Sitzung spürte sie eine deutliche Besserung: Die Anzahl der Migränetage reduzierte sich von 15 auf etwa 5 pro Monat.
Wie Botox gegen Migräne wirkt: Die medizinische Erklärung
Botox blockiert die Ausschüttung von Botenstoffen, die Schmerzsignale an das Gehirn weiterleiten. Dadurch werden verspannte Muskeln entspannt und die Schmerzweiterleitung unterbrochen. Die Behandlung muss alle drei Monate wiederholt werden. Migräne-Expertin Dr. med. Sabine Müller von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft erklärt: „Botox ist eine wirksame Option bei chronischer Migräne, wenn andere Therapien versagen. Die Patienten müssen aber über mögliche Nebenwirkungen wie Muskelschwäche oder vorübergehende Gesichtslähmung aufgeklärt werden.“
Risiken und Nebenwirkungen der Botox-Therapie
Obwohl Susann positive Erfahrungen machte, warnen Mediziner vor möglichen Komplikationen. Dazu gehören lokale Schwellungen, Blutergüsse, Kopfschmerzen oder in seltenen Fällen eine allergische Reaktion. Die Behandlung ist nicht für jeden geeignet, insbesondere nicht für Schwangere oder Stillende. Laut der Deutschen Hirnstiftung leiden in Deutschland etwa 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer unter Migräne. Für viele Betroffene wie Susann bietet Botox jedoch eine neue Perspektive.
Susanns Fazit: Ein neues Leben ohne ständige Schmerzen
Heute kann Susann ihren Beruf als freie Mitarbeiterin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion wieder ausüben, ohne ständig von Attacken ausgebremst zu werden. „Das Gewitter im Kopf ist endlich vorbei“, sagt sie. Sie hofft, dass mehr Betroffene von dieser Therapie erfahren und sich nicht scheuen, ihren Leidensweg zu teilen.



