Burn-out erkennen: Warnsignale und erste Schritte zur Hilfe
Burn-out erkennen: Warnsignale und erste Hilfe

Wenn der Akku dauerhaft leer ist und nichts mehr geht, steckt oft ein Burn-out dahinter. Viele Menschen ignorieren die Warnsignale jedoch lange – bis der Zusammenbruch droht. Der Facharzt Gernot Langs von der Schön Klinik Bad Bramstedt erklärt, wie man die Anzeichen erkennt und welche Wege aus der Erschöpfung führen.

Was ist ein Burn-out überhaupt?

Burn-out ist keine eigenständige psychische Krankheit, sondern ein Syndrom – also eine Gruppe von Symptomen, die gemeinsam auftreten und die Gesundheit beeinträchtigen. Es entwickelt sich meist über Jahre hinweg. „Es gibt den Burn-out-Prozess und das Burn-out-Syndrom“, sagt Langs. Der Prozess umfasse je nach Einteilung fünf bis zehn Stufen, bis sich das Vollbild zeigt.

Im Kern ist das Burn-out-Syndrom „im Prinzip eine Erschöpfungsdepression“, so der Psychiater. Beide Zustände ähneln sich und können ineinandergreifen. Der Unterschied: Burn-out ist an äußere Belastungen gekoppelt, während eine Depression auch ohne konkrete Auslöser entstehen kann. Medizinisch gilt Burn-out weiterhin als Zusatzdiagnose, ist aber etwa in der Rehabilitation anerkannt.

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Woran erkennt man die Warnsignale?

Nicht jede stressige Phase ist gleich ein Burn-out. Gewisser Stress sei normal und sogar notwendig, betont Langs. Entscheidend sei die dauerhafte Einschränkung der Lebensqualität: „Wenn sie dauerhaft vorhanden ist, muss man etwas tun.“ Genau das falle vielen Betroffenen jedoch schwer. „Die Umgebung merkt es zuerst, wenn jemand immer reizbarer wird – die Lunte wird kürzer“, sagt der Experte.

Typische Anzeichen sind:

  • Anhaltende Erschöpfung, Energieverlust und Gefühle der Überforderung
  • Veränderter Appetit – von Appetitlosigkeit bis zu Fressattacken
  • Schlafstörungen oder übermäßiges Schlafbedürfnis mit Rückzug
  • Körperliche Stresssymptome wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Tinnitus, Verdauungsprobleme oder Herzrasen
  • Innerliche Distanz zur Arbeit, Zynismus und Freudlosigkeit
  • Nachlassende Konzentrations- und Leistungsfähigkeit im Beruf und Alltag

Nicht nur der Beruf ist schuld

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Burn-out allein die Arbeitswelt betrifft. „Burn-out hat nicht nur mit dem Beruf zu tun“, stellt Langs klar. Als Beispiel nennt er alleinerziehende Eltern: „Sie wollen gute Eltern sein, wollen gute Arbeit machen, schlafen zu wenig – und irgendwann geht es einfach nicht mehr.“ Verstärkt werde das Risiko durch überhöhte Ansprüche an sich selbst und gesellschaftlichen Druck.

Der Weg zur Diagnose ist oft steinig. Menschen mit Burn-out-Neigung akzeptieren lange nicht, dass es ihnen schlecht geht. „Es darf einem nicht schlechtgehen, weil man ja leistungsfähig sein muss“, beschreibt Langs typische Denkmuster. „Hilfe holen ist ohnehin schwierig – weil es als Schwäche gilt. Manchmal muss es erst richtig knallen, bis endlich Hilfe geholt wird.“

Der erste Schritt: Eingestehen, dass es zu viel ist

Am Anfang der Genesung steht eine einfache, aber schwere Erkenntnis: „Man muss sich eingestehen, dass es zu viel ist – und dass es auch in Ordnung ist, dass es zu viel ist.“ Wer das geschafft habe, habe den entscheidenden Schritt getan, so Langs.

Danach empfiehlt er ein schrittweises Vorgehen. Sind die Auslöser nicht nur beruflich, sollten Betroffene in der Familie besprechen, was die hohe Belastung verursacht und wie sich Aufgaben besser verteilen lassen. „Muss der Rasen immer perfekt gemäht sein? Wenn ja, kann das nicht jemand anderes machen? Es sind oft Kleinigkeiten, die schon entlasten.“

Professionelle Hilfe: Vom Hausarzt bis zur Klinik

Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle für eine Einschätzung und um körperliche Ursachen abzuklären. Bei ausgeprägter Erschöpfungsdepression kann dort auch eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werden. Zudem kann ein Blick auf den Schlaf helfen – unter Umständen verschreiben Ärzte schlafanstoßende Medikamente, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

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Eine psychotherapeutische Behandlung ist laut Langs ebenfalls sinnvoll, auch wenn die Wartezeiten oft lang sind. Allerdings müssten die individuellen Lebensumstände berücksichtigt werden: Wer familiär bereits stark eingespannt ist, fühle sich durch eine ambulante Therapie womöglich zusätzlich belastet – etwa wegen Anfahrtswegen und Sitzungszeiten. „Manchmal ist eine stationäre Auszeit sinnvoller. Dann wirklich aus dem Alltag herausgehen – und nach außen signalisieren: Ich brauche jetzt eine Auszeit“, so der Facharzt.