Rückenleiden sind im Landkreis Unterallgäu der häufigste Grund für Krankschreibungen. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport hervor, den das Landratsamt zusammen mit den Krankenkassen erstellt hat. Rund 28 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen entfallen auf Diagnosen des Muskel-Skelett-Systems. Damit liegt der Landkreis deutlich über dem bayerischen Schnitt von 24 Prozent.
Besonders betroffen sind Beschäftigte in der Landwirtschaft, im Bauwesen und in der Pflege. "Die körperliche Belastung ist in diesen Berufen enorm", sagt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Anna Huberl. "Viele Patienten kommen mit chronischen Rückenschmerzen erst spät zur Behandlung."
Doch nicht nur der Rücken zwickt die Unterallgäuer. Auch Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Lungenentzündungen sorgen für viele Fehltage. Sie machen rund 18 Prozent der Krankmeldungen aus. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2023 und berücksichtigen alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung.
Psychische Erkrankungen nehmen zu
Einen besorgniserregenden Trend zeigen die psychischen Erkrankungen. Ihr Anteil ist innerhalb von fünf Jahren um 15 Prozent gestiegen. Depressionen, Angststörungen und Burnout sind inzwischen für 14 Prozent der Arbeitsunfähigkeitsfälle verantwortlich. Insbesondere jüngere Menschen zwischen 20 und 30 Jahren sind betroffen.
Der Gesundheitsreport zeigt auch regionale Unterschiede innerhalb des Landkreises. So treten im nördlichen Teil, der landwirtschaftlich geprägt ist, häufiger Hauterkrankungen und Allergien auf. Im südlichen Teil, der an die Alpen grenzt, sind vermehrt Atemwegseleiden zu verzeichnen. Dies könnte mit den klimatischen Bedingungen und der Luftqualität zusammenhängen.
Was das für die Prävention bedeutet
Für die Verantwortlichen sind die Ergebnisse ein Auftrag, die Gesundheitsförderung zu verstärken. Der Landkreis will deshalb in den kommenden Jahren mobile Präventionsangebote ausbauen. Dazu gehören Rückenschulungen in Betrieben, Mental-Health-Workshops und Bewegungskurse in den Gemeinden.
Ziel ist es, Krankheitsrisiken früh zu erkennen und Fehlzeiten zu reduzieren. "Wir müssen von der Reparaturmedizin zur Vorsorge kommen", betont Landrat Alex Eder. Der Landkreis investiert jährlich einen sechsstelligen Betrag in Gesundheitsprojekte.
Auch die Unternehmen sind gefordert. Immer mehr Betriebe im Unterallgäu setzen deshalb auf ergonomische Arbeitsplätze und flexible Arbeitszeiten. Erste Erfolge zeigen sich: In einigen Firmen sind die Krankmeldungen bereits zurückgegangen.
Kosten für die Wirtschaft steigen
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Die Ausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeit belaufen sich im Landkreis auf geschätzte 85 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht etwa 450 Euro pro Einwohner. Je früher Prävention greift, desto geringer fallen diese Kosten aus.
Der Gesundheitsreport wird alle zwei Jahre aktualisiert. Er dient neben der Gesundheitsplanung auch den Ärzten und Therapeuten in der Region als Grundlage. Die Daten werden anonymisiert erhoben und erlauben so einen detaillierten Blick auf die Krankheitslast im Unterallgäu.
Das sind die Top-Diagnosen im Detail
Die häufigste Einzeldiagnose ist mit Abstand der Rückenschmerzen. Auf sie entfallen rund 16 Prozent aller Fehlzeiten. Es folgen akute Infektionen der oberen Atemwege mit neun Prozent, Depressionen mit sechs Prozent und Bandscheibenschäden mit vier Prozent. Auch Bluthochdruck und Diabetes spielen mit jeweils drei Prozent eine wichtige Rolle.
Die Auswertung zeigt zudem, dass Krankheiten im Alter zunehmen. Während bei den unter 30-Jährigen Atemwegsinfekte dominieren, führen bei den über 50-Jährigen Herzkreislauferkrankungen und Diabetes die Statistik an. Das verursacht unterschiedliche Anforderungen an die medizinische Versorgung in den Regionen.
Ärztemangel verschärft die Lage
Ein Problem ist der zunehmende Ärztemangel in ländlichen Gebieten. Im Unterallgäu sind einige Hausarztstellen unbesetzt, besonders in den kleinen Orten. Dadurch verzögern sich Diagnosen und Behandlungen. Das Landratsamt arbeitet an einer Strategie, um Ärzte für die Region zu gewinnen. Dazu gehören Förderprogramme für Praxisgründungen und der Ausbau von Telemedizin.
Vonseiten der Politik wird gefordert, die medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum zu stärken. "Die Gesundheitsversorgung darf nicht am Wohnort scheitern", sagt eine Sprecherin des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Ministerium und Landkreise haben dazu ein gemeinsames Programm aufgelegt.
Trotz der Herausforderungen bietet der Unterallgäuer Gesundheitsreport auch positive Nachrichten: Die Krebserkrankungen, die auf frühzeitige Vorsorge zurückzuführen sind, gehen leicht zurück. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen pro Kopf ist in den letzten Jahren gesunken.
Dieser Trend zeigt: Prävention wirkt. Die Verantwortlichen wollen daher weiter in Aufklärung und Vorsorge investieren, um die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu stärken.



