Doping-Sperre droht: Freigang kämpft um ihre Fußball-Karriere
Doping-Sperre droht: Freigang kämpft um Karriere

Laura Freigang, Kapitänin von Eintracht Frankfurt und deutsche Nationalspielerin, muss weiterhin um ihre Karriere bangen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt seit Anfang Juni gegen die 28-Jährige wegen drei verpasster Dopingkontrollen innerhalb von zwölf Monaten. Im schlimmsten Fall droht der Offensivspielerin eine zweijährige Sperre, die sie nicht nur um die Teilnahme an der WM 2027 in Brasilien bringen, sondern auch ihr Ansehen als Vorbild zerstören könnte.

Die Hintergründe des Verfahrens

Als Mitglied des sogenannten Registered Testing Pool (RTP) unterliegt Freigang den strengsten Meldepflichten im deutschen Spitzensport. Sie muss ihren Aufenthaltsort täglich und stundenaktuell in einem speziellen System angeben, damit unangekündigte Dopingtests jederzeit möglich sind. Doch dreimal soll sie nicht an dem von ihr gemeldeten Ort gewesen sein, als die Kontrolleure kamen. Jeder einzelne verpasste Termin, im Fachjargon "Strike" genannt, wird nun vom DFB einzeln überprüft.

Nach Informationen von "Bild" und "FAZ" könnte insbesondere der dritte Strike intensiv geprüft werden. Dabei soll Freigang ein Spiel gehabt haben, dieses aber möglicherweise nicht korrekt in die dafür vorgesehene App eingetragen haben. Die entscheidende Frage lautet: Lag das Versäumnis allein bei der Spielerin oder gibt es mildernde Umstände, möglicherweise sogar Formfehler bei der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada) oder dem DFB?

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DFB betont Sorgfalt, Verfahren kann sich ziehen

Der DFB teilte mit, der Sachverhalt sei umfangreich, die medizinischen und rechtlichen Fragen seien komplex. "Sorgfalt geht vor Schnelligkeit, rechtliche Fristen müssen eingehalten werden", hieß es aus dem Verband. Die Ermittlungen des Kontrollausschusses dauern daher noch an. Nach den Vorgaben der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sollten solche Ergebnismanagement-Verfahren eigentlich innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein, erläuterte Eva Bunthoff, Leiterin des Ressorts Doping-Kontroll-System bei der Nada. Die Nada hatte den Fall Freigang Anfang Juni offiziell an den DFB übergeben. Das bedeutet: Eine Entscheidung könnte sich bis Weihnachten oder sogar darüber hinaus hinziehen.

Eintracht Frankfurt steht hinter ihrer Kapitänin

Während des laufenden Verfahrens genießt Freigang die volle Unterstützung ihres Klubs. Katharina Kiel, Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt, ließ mitteilen: "Laura Freigang ist bis zu einem möglichen Urteil ein fester Bestandteil unseres Kaders, eine wichtige Führungsspielerin und wird bis dahin selbstverständlich auch für uns in Pflichtspielen zum Einsatz kommen. Als Klub stehen wir hinter Laura und sie erhält von uns im Rahmen unserer Möglichkeiten die maximale Unterstützung."

Freigangs Vertrag bei der Eintracht läuft noch bis Sommer 2027. Die Spielerin selbst schweigt zu dem Thema, "solange keine Klarheit in dieser Angelegenheit herrscht", wie ihre Beraterin mitteilte. Trainer Niko Arnautis zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Dass das Verfahren nicht schön ist, ist klar. Sie geht aber super damit um", sagte er Anfang Juli beim Trainingsauftakt. Im Testspiel am vergangenen Freitag gegen Racing Straßburg (1:0) trug Freigang wie gewohnt die Kapitänsbinde.

Freigang wehrt sich gegen Vorwürfe

Anfang Juni, als die Vorwürfe bekannt wurden, hatte sich Freigang auf Instagram zu Wort gemeldet. Sie betonte, dass es sich bei den verpassten Kontrollen nicht um bewusst vermiedene Kontrolltermine gehandelt habe, "sondern um Unstimmigkeiten bzw. Missverständnisse in den täglich zu aktualisierenden und umfassenden Angaben, die wir als Nationalspielerinnen tages- und stundenaktuell im System zu aktualisieren haben".

Kurios ist, dass der DFB in diesem Fall gegen seine eigene Auswahlspielerin ermittelt, die 44-mal für Deutschland auflief. Der Verband verweist auf seine unabhängigen Rechtsinstanzen, die keinerlei Berührungspunkte zur DFB-Elf hätten. Einen Interessenkonflikt gebe es nicht. Ab 2027 ändert sich das Prozedere für künftige Fälle: Dann ist nur noch die Nada für die Ermittlungen zuständig, wie es die Compliance-Regeln der Wada vorsehen. Den Fall Freigang muss jedoch noch der DFB abschließen – ob früher oder später.

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Sportliche Zukunft ungewiss

Für Freigang, die in 170 Bundesligaspielen 100 Tore erzielte, wäre eine Sperre verheerend. Sie dürfte dann nicht einmal mehr am Teamtraining teilnehmen. Bis zu einem Urteil bleibt sie jedoch spielberechtigt. So wird sie voraussichtlich auch am Mittwoch im ersten Pflichtspiel der Saison in der Champions-League-Qualifikation gegen Omonia Nikosia (19 Uhr) auflaufen. Die Hängepartie überschattet jedoch den sportlichen Neustart der Frankfurterinnen, die sich mit ihrer Kapitänin eigentlich auf eine erfolgreiche Saison vorbereiten wollten.