Erythrit erhöht Schlaganfallrisiko: Neue Studie alarmiert
Erythrit: Studie zeigt erhöhtes Schlaganfallrisiko

Eine neue Untersuchung der University of Colorado in Boulder zeigt: Der weit verbreitete Süßstoff Erythrit (E 968) kann die Schutzbarriere des Gehirns stören. Die Forscher fanden heraus, dass der Zuckeraustauschstoff die Funktion der Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigt und dadurch womöglich das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „Journal of Applied Physiology“ veröffentlicht und von „LiveScience“ aufgegriffen.

Die Blut-Hirn-Schranke ist eine hochselektive Grenze zwischen Blutkreislauf und zentralem Nervensystem. Sie lässt Sauerstoff und wichtige Nährstoffe ins Gehirn gelangen, blockt aber schädliche Substanzen, Giftstoffe und Krankheitserreger weitgehend ab. Eine Störung dieser Barriere kann schwerwiegende neurologische Folgen haben.

In ihren Laborexperimenten untersuchten die Wissenschaftler Endothelzellen der Blut-Hirn-Schranke und beobachteten mehrere alarmierende Effekte. So reduzierte Erythrit die Bildung von Stickstoffmonoxid, einem Molekül, das normalerweise die Gefäße erweitert und den Blutfluss verbessert. Gleichzeitig stieg die Konzentration des Proteins Endothelin 1, das eine verengende Wirkung auf die Blutgefäße hat. Darüber hinaus setzten die Zellen weniger Gewebe-Plasminogenaktivator frei – ein Enzym, das Blutgerinnsel auflösen kann. Diese Veränderungen, kombiniert mit einer erhöhten Produktion freier Radikale, könnten die Entstehung von Gefäßverengungen und Blutgerinnseln begünstigen.

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Mechanismen hinter dem Schlaganfallrisiko

Die neuen Erkenntnisse liefern erstmals eine biologische Erklärung für frühere Beobachtungen. Bereits in früheren epidemiologischen Studien war ein Zusammenhang zwischen erhöhten Erythritspiegeln im Blut und einem gesteigerten Risiko für Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle festgestellt worden. Die aktuellen Zellversuche stützen diese Daten, indem sie konkrete Mechanismen im Körper sichtbar machen.

Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass ihre Untersuchung sich ausschließlich auf Endothelzellen der Blut-Hirn-Schranke sowie auf ischämische Schlaganfälle konzentrierte. Diese Form des Schlaganfalls entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft und die Durchblutung unterbricht. Ob Erythrit auch an anderen Endothelzellen ähnliche Effekte auslöst und damit etwa das Herzinfarktrisiko beeinflusst, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.

Grenzen der Studie

Die Forscher betonen eine entscheidende Einschränkung: Die Ergebnisse beruhen auf Versuchen mit Zellkulturen, nicht auf Studien an Menschen. Daher seien die beobachteten Effekte und die in den Experimenten verwendeten Konzentrationen nicht ohne Weiteres auf den Alltag übertragbar. Dennoch halten die Wissenschaftler ihre Befunde für bedeutsam.

Der Physiologe Christopher DeSouza von der University of Colorado in Boulder zeigte sich besorgt. Nach seiner Einschätzung liefern die epidemiologischen Daten zusammen mit den neuen zellbiologischen Erkenntnissen ausreichende Hinweise, um den Konsum kalorienfreier Süßstoffe wie Erythrit kritisch zu hinterfragen und weiter wissenschaftlich zu untersuchen. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass Erythrit in vielen verarbeiteten Lebensmitteln stecke.

Warum Erythrit so beliebt ist

Erythrit, auch als Zusatzstoff E 968 gekennzeichnet, ist ein kalorienfreier Zuckeraustauschstoff, der etwa 70 Prozent der Süßkraft von Haushaltszucker besitzt. Sein Energiegehalt ist mit nur 0,2 Kilokalorien pro Gramm verschwindend gering. Im Gegensatz zu Zucker lässt Erythrit den Blutzucker- und Insulinspiegel nahezu unverändert, weshalb das Süßungsmittel besonders für Diabetiker interessant ist. Auch der Zahnschutz spricht für den Stoff: Da Erythrit nicht von Kariesbakterien verstoffwechselt wird, fördert er die Zahngesundheit.

Bislang galt Erythrit als unbedenklich, solange es in üblichen Mengen konsumiert wird. Die bisher bekannten Nebenwirkungen beschränkten sich vor allem auf Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall, die bei hohem Konsum auftreten können. Die neue Studie erweitert dieses Bild jedoch: Möglicherweise wirkt der Süßstoff auch auf die Gefäßgesundheit. Wissenschaftler raten daher zu einem bewussten Umgang mit zuckerfreien Produkten, die Erythrit enthalten.

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