Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für das Jahr 2026 bis zum 19. Juli bereits 9800 hitzebedingte Sterbefälle registriert – mehr als in jedem gesamten Jahr seit 2016. Dies geht aus dem aktuellen Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität hervor. Der Großteil der Todesfälle fällt mit über 5000 in die zweite Junihälfte, als eine Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad Deutschland erfasste.
Hitzewelle im Juni kostet Tausende Leben
Nach Angaben des RKI starben zwischen Anfang April und dem 12. Juli schätzungsweise 7900 Menschen durch die Hitze. Allein in der Woche vom 13. bis 19. Juli kamen 1900 Todesfälle hinzu. Die Wochen-Mitteltemperatur lag in dieser Phase bei 20,9 Grad, wobei in zwölf Bundesländern Werte über 20 Grad gemessen wurden. Die Auswertung basiert auf 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes.
Typischerweise steigt die Sterblichkeit in Wochen mit einer Mitteltemperatur über 20 Grad deutlich an, erklärte das RKI. Besonders gefährdet sind ältere Menschen: Von den Todesopfern waren 5420 Personen 85 Jahre oder älter. In der Altersgruppe 75 bis 84 starben 2460 Menschen, in der Gruppe 65 bis 74 waren es 1260, und 630 Todesfälle betrafen Personen unter 65 Jahren.
Ursachen: Hitzschlag und Vorerkrankungen
Das RKI führt die Todesfälle teils auf Hitzschlag zurück, meist jedoch auf eine Kombination aus Hitzeexposition und bestehenden Vorerkrankungen. Die Extreme-Hitze Ende Juni löste eine erneute Debatte über Hitzeschutz in Deutschland aus. Aus der Opposition im Bundestag kamen Forderungen nach mehr Investitionen, damit Krankenhäuser, Pflegeheime und Kitas bei künftigen Hitzewellen gekühlt werden können.
Pflegeschützer und Mediziner kritisieren, dass viele Einrichtungen unzureichend vorbereitet seien. Die Bundesregierung verwies bislang auf die Zuständigkeit der Länder und Kommunen.
SoVD fordert mehr Engagement des Bundes
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) sieht hingegen den Bund in der Pflicht. „Extremhitze ist längst kein Ausnahmeereignis mehr, sondern eine der größten sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. „Besonders ältere Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, Kinder sowie Beschäftigte in der Gesundheits- und Sozialversorgung sind auf wirksamen Schutz angewiesen.“
Deutschland brauche einen flächendeckenden und verbindlichen Hitzeschutz für alle Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge und der kritischen Infrastruktur. Bund, Länder und Kommunen müssten die Investitionen gemeinsam finanzieren und Hitzeschutz verbindlich in der Krisenvorsorge verankern. „Der Bund darf die Verantwortung dafür nicht länger auf Länder, Kommunen oder einzelne Träger abschieben“, so Engelmeier.



