Die italienische Mafia, insbesondere die auf Sizilien aktive Cosa Nostra, rüstet sich nach Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden zunehmend mit modernen Kriegswaffen aus dem internationalen Schwarzmarkt auf. Der leitende Staatsanwalt von Palermo, Maurizio de Lucia, warnte am Dienstag vor der nationalen Anti-Mafia-Kommission in Rom vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Es lägen konkrete Hinweise auf den Erwerb von Drohnen und Minenwerfern vor. „Wir haben Informationen, dass die Mafia versucht, ihr Waffenarsenal qualitativ erheblich zu verbessern“, sagte de Lucia.
Waffen aus dem Ukraine-Krieg im Visier der Mafia
Besonders alarmierend sei, dass die Cosa Nostra offenbar auch Interesse an Waffen aus dem Schwarzmarkt zeige, die infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verfügbar geworden seien. Diese neuen Waffensysteme stellten eine Herausforderung dar, „gegen die die Sicherheitsbehörden bislang nicht ausreichend vorbereitet sind“, so der Staatsanwalt. Bereits sichergestellte Waffen, die aus dem süditalienischen Salento stammen, hätten ihren Ursprung auf dem Balkan – ein Hinweis auf die internationalen Verflechtungen des illegalen Waffenhandels.
De Lucia betonte, dass die Behörden ihre Strategien anpassen müssten. Die traditionelle Bekämpfung der Mafia konzentriere sich häufig auf Schusswaffen und Sprengstoff, doch die neuen Waffentypen erforderten andere Kontrollmechanismen und Ermittlungsansätze. Die italienische Regierung müsse dringend in Aufklärungs- und Abwehrtechnologien investieren, um den neuen Bedrohungen zu begegnen.
Handys im Gefängnis: Mafiosi steuern Clans hinter Gittern
Ein weiteres großes Problem sei die unzureichende Kontrolle in den Gefängnissen. De Lucia äußerte sich besorgt darüber, dass Mafiosi bereits wenige Stunden nach ihrer Inhaftierung über Mobiltelefone verfügten. „Selbst Häftlinge, die nicht den verschärften Haftbedingungen für führende Mafia-Bosse unterliegen, können so ihre kriminellen Organisationen aus dem Gefängnis heraus weiter steuern“, erklärte er.
Diese Praxis schwäche die Wirkung der Untersuchungshaft erheblich. Opfer und Kronzeugen verlören das Vertrauen in den Schutz durch den Staat, wenn sie wüssten, dass ein angezeigter Mafioso weiterhin seinen Clan lenken und Straftaten anordnen könne. „Wer das weiß, ist eher von einer Anzeige abzuhalten“, warnte der Staatsanwalt. Er forderte strengere Kontrollen und den sofortigen Entzug illegaler Kommunikationsmittel in den Haftanstalten.
Die Anti-Mafia-Kommission kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen und dem Parlament Vorschläge für eine Reform der Haftbedingungen zu unterbreiten. Die Cosa Nostra sei trotz jahrelanger Erfolge bei der Bekämpfung weiterhin äußerst anpassungsfähig und nutze jede Schwachstelle des Staates aus, so die Kommission abschließend.



