Rund 8200 Menschen warten in Deutschland auf ein lebensrettendes Spenderorgan, der größte Bedarf besteht bei Nieren. Die durchschnittliche Wartezeit für eine Nierentransplantation beträgt acht bis zehn Jahre, wie Rebecca Zimmering, stellvertretende Leiterin im Referat für Organ- und Gewebespende beim Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, im Gespräch erklärt. Im Jahr 2025 starben 633 Patienten auf der Warteliste, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ gefunden wurde.
Bedarf an Nieren besonders hoch
Derzeit warten rund 6000 Menschen auf eine Nierentransplantation, danach folgen Leber, Herz und Lunge. Die hohe Nachfrage nach Nieren habe zwei Hauptgründe, so Zimmering: Chronische Nierenerkrankungen seien vergleichsweise häufig, verursacht durch Diabetes, Bluthochdruck oder angeborene Erkrankungen. Zudem könnten Betroffene dank der Dialyse die Zeit bis zur Transplantation überbrücken, was bei Herz oder Lunge nicht möglich sei. „Viele Patienten sind mehrmals pro Woche über mehrere Stunden an ein Dialysegerät gebunden – das prägt den gesamten Alltag“, sagt die Expertin. Eine Nierentransplantation biete die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben und verbessere oft die Lebenserwartung.
Transplantationen und Wartezeiten
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 3256 Organe aus Deutschland und dem Eurotransplant-Verbund transplantiert. Damit konnte 3150 Patienten geholfen werden, 315 von ihnen erhielten ein neues Herz. Die Wartezeit variiert je nach Organ, Dringlichkeit sowie Blut- und Gewebemerkmalen. Bei Nieren beträgt sie durchschnittlich acht bis zehn Jahre. Bei Herz oder Leber entscheidet oft die medizinische Dringlichkeit, sodass manche schneller ein Organ erhalten. „Der Organmangel in Deutschland führt dazu, dass viele Menschen deutlich länger auf eine Transplantation warten müssen, als es medizinisch wünschenswert wäre“, betont Zimmering.
Kriterien der Organvermittlung
Patienten in akut lebensbedrohlichen Situationen kommen auf die sogenannte High-Urgency-Liste. Die Organvermittlung folgt klaren medizinischen und ethischen Kriterien. „Ziel ist es, Menschen zu transplantieren, die das Organ einerseits dringend benötigen und bei denen andererseits eine realistische Aussicht besteht, dass die Transplantation erfolgreich verläuft“, erklärt Zimmering. Dabei werden Dringlichkeit, zu erwartender Nutzen und medizinische Kompatibilität abgewogen. Veränderungen des Gesundheitszustands wirken sich unmittelbar auf die Dringlichkeitseinstufung aus, dennoch lasse sich nicht jeder Krankheitsverlauf vorhersehen.
Widerspruchslösung und Aufklärung
Zur Diskussion um die Widerspruchslösung nimmt das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit keine Bewertung vor. „Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung unabhängig und wissenschaftlich fundiert über die Organ- und Gewebespende zu informieren“, so Zimmering. Entscheidend sei, dass sich möglichst viele Menschen frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen, eine persönliche Entscheidung treffen, diese dokumentieren und mit Angehörigen besprechen. „Dafür braucht es vor allem stetige Aufklärung. Idealerweise beginnt diese bereits in der Schule“, sagt die Expertin.



