Schlafforscher warnt: Frühsport-Fehler kann Ihrer Gesundheit schaden
Schlafforscher warnt: Frühsport-Fehler gefährdet Gesundheit

Der norwegische Schlafforscher Bjørn Bjorvatn von der Universität Bergen hat eine klare Botschaft an alle Frühsportler: Wer seinen Wecker extra früh stellt, um vor der Arbeit noch zu trainieren, macht einen gravierenden Fehler. Denn Schlafmangel wiegt schwerer als fehlende Bewegung – das belegt eine aktuelle US-Studie.

Viele Menschen glauben, mit morgendlichem Sport etwas Gutes für ihren Körper zu tun. Doch Bjorvatn räumt mit einem verbreiteten Irrglauben auf. „Manche Menschen glauben, dass Sport den Schlaf ersetzen kann. Das stimmt nicht“, stellt der Forscher im Gespräch mit der norwegischen Zeitung Aftenposten klar. Training wirke zwar ähnlich wie Koffein und mache wach, könne aber die Regeneration im Schlaf nicht ersetzen.

Frühsport als Ersatz für Schlaf?

Was aber, wenn die Nacht kurz war und die Motivation für das morgendliche Work-out fehlt? Sollte man es dann ausfallen lassen? Bjorvatn sieht darin kein grundsätzliches Problem. „Das ist eine berechtigte Frage, aber ich würde sagen: Es ist in Ordnung, trotzdem zu trainieren. Solange man nicht völlig erschöpft ist, macht das Training wach – ähnlich wie Koffein“, erklärt der Schlafforscher. Allerdings rät er davon ab, die gleiche Leistung wie nach einer erholsamen Nacht zu erwarten. Der Effekt des Trainings könne geringer ausfallen.

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Eine Gewohnheit sieht der Experte jedoch kritisch: das frühere Aufstehen um des Trainings willen. „Meine wichtigste Botschaft ist: Man sollte nicht auf Schlaf verzichten, um Sport zu treiben. Ich höre von Leuten, die eine Stunde früher aufstehen, um vor der Arbeit noch schnell ein Work-out zu absolvieren.“ Diese Praxis sei gefährlich, da der Körper während des Schlafs die wichtigsten Regenerationsprozesse durchläuft: Muskeln werden repariert, das Gehirn verarbeitet Informationen, und der gesamte Organismus bereitet sich auf den nächsten Tag vor.

Was die US-Studie zeigt

Bjorvatn stützt sich auf eine Untersuchung aus den USA, die zwei Gruppen verglich: Menschen mit kaum Bewegung und solche, die regelmäßig weniger als sieben Stunden pro Nacht schlafen. Das Ergebnis war eindeutig: Schlafmangel hatte einen stärkeren negativen Einfluss auf die Lebenserwartung als Bewegungsmangel. „Die Studie unterstreicht, wie wichtig Schlaf für die Gesundheit ist. Wer also glaubt, Schlaf durch Sport ersetzen und so länger leben zu können, irrt gewaltig“, betont der Forscher. Die genauen Zahlen der Studie wurden nicht genannt, aber der Zusammenhang ist statistisch signifikant.

Schlaf ist demnach nicht nur eine Pause, sondern eine aktive Erholungsphase. Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden schläft, erhöht sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und geschwächte Immunfunktion. Sport allein kann diese Defizite nicht ausgleichen.

Abendtraining: Ja oder Nein?

Während der Experte beim Frühsport eine klare Grenze zieht, fällt sein Urteil über Training am späten Abend differenzierter aus. Viele Menschen nutzen Sport, um den Tag ausklingen zu lassen. Doch für Menschen mit Schlafproblemen kann das kontraproduktiv sein. „Manchen Menschen fällt das Einschlafen leicht, anderen schwer. Doch Sport am späten Abend ist keine gute Idee, wenn man Schlafprobleme hat“, sagt Bjorvatn. Die körperliche Aktivität kann den Kreislauf anregen und das Einschlafen erschweren.

Abschließend rät der Schlafforscher zu einer ausgewogenen Balance: Ausreichend Schlaf (sieben bis neun Stunden) sollte Priorität haben, und sportliche Aktivität sollte so geplant werden, dass sie den Schlaf nicht beeinträchtigt. Für die meisten Menschen sei ein Training am frühen Abend oder am Nachmittag ideal. Wer morgens trainieren möchte, sollte sicherstellen, dass er trotzdem genug Schlaf bekommt – notfalls durch ein früheres Zubettgehen.

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