Eine dänische Untersuchung am Aarhus University Hospital zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Körperfettanteil junger Männer und ihrer Spermienzahl. An der Studie nahmen 1058 Männer mit einem Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren teil. Die Auswertung der Samen- und Blutproben ergab, dass ein erhöhter Körperfettanteil mit einer geringeren Anzahl an Spermien einhergeht – schon ab 20 Prozent Körperfett wird der Unterschied messbar.
So wurde die Studie durchgeführt
Die Wissenschaftler bestimmten den Körperfettanteil der Teilnehmer mithilfe der bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA), die über schwache elektrische Signale die Körperzusammensetzung erfasst. Anhand dieser Messwerte teilten sie die Männer in vier Gruppen ein: unter 8 Prozent Körperfett, 8 bis 19 Prozent Körperfett als Referenzgruppe, 20 bis 24 Prozent sowie mindestens 25 Prozent Körperfett. Anschließend untersuchten sie Samen- und Blutproben auf Marker der Fruchtbarkeit und den Hormonstatus.
Weniger Spermien bei steigendem Körperfett
Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Im Vergleich zur Referenzgruppe mit 8 bis 19 Prozent Körperfett hatten Männer mit 20 bis 24 Prozent Körperfett im Durchschnitt 23 Prozent weniger Spermien. Noch deutlicher war der Trend bei einem Körperfettanteil von mindestens 25 Prozent. Statistisch betrachtet sank die Spermienzahl mit jedem Anstieg des Körperfettanteils um 5,7 Prozentpunkte um durchschnittlich acht Prozent.
Neben der Spermienanzahl veränderten sich auch die Hormonwerte. Bei Männern mit höherem Körperfettanteil fanden die Forscher geringere Konzentrationen von Testosteron und dem Transportprotein SHBG. Gleichzeitig waren die Werte des luteinisierenden Hormons (LH), das die Testosteronproduktion stimuliert, sowie die Estradiol-Konzentration erhöht. Diese hormonelle Verschiebung könnte laut den Autoren ein Indiz für eine nachlassende Hodenfunktion sein.
Körperfett als Indikator – auch bei normalem BMI
Ein besonders auffälliges Ergebnis der Untersuchung: Der Körperfettanteil erwies sich als aussagekräftiger für die Spermienzahl als der Body-Mass-Index (BMI) oder das Verhältnis von Taille zu Körpergröße. Selbst bei Männern, die laut BMI als normalgewichtig klassifiziert wurden, zeigte sich ein negativer Zusammenhang, sofern ihr Körperfettanteil erhöht war. Das legt nahe, dass die Körperzusammensetzung bei Fruchtbarkeitsanalysen stärker berücksichtigt werden sollte.
Für die Beweglichkeit und Form der Spermien sowie für das Hodenvolumen fanden die Wissenschaftler jedoch keine belastbaren Zusammenhänge mit dem Körperfettanteil. Die Einschränkung betrifft offenbar vor allem die Spermienkonzentration im Ejakulat.
Stärken und Grenzen der Studie
Die Untersuchung profitiert von ihrer großen Teilnehmerzahl und der direkten Messung des Körperfettanteils statt einer reinen BMI-Schätzung. Allerdings ist die BIA-Methode anfällig für Abweichungen durch den Flüssigkeitshaushalt der Probanden. Zudem nahmen nur 19 Prozent der eingeladenen Männer an der Studie teil, was die Generalisierbarkeit einschränken kann. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, lässt sich nicht belegen, dass das Körperfett ursächlich für die geringere Spermienzahl ist. Die beobachtete Reduktion könnte auch auf Zufall beruhen. Die Studienautoren empfehlen deshalb weitere Forschungsarbeiten, um die zugrunde liegenden Mechanismen zu klären.
Für Männer mit Kinderwunsch könnte der Körperfettanteil dennoch ein wichtiger Ansatzpunkt sein. Die vorliegenden Daten stützen die Hypothese, dass nicht nur das Gewicht selbst, sondern insbesondere der Fettanteil die männliche Fruchtbarkeit beeinflusst. Eine Reduktion des Körperfetts könnte demnach eine sinnvolle Maßnahme sein, um die Spermienproduktion zu unterstützen.



