Allein der Gedanke, eine Spinne könnte in der Nähe sein, hat bei mir jahrelang Panik ausgelöst. Ich habe mich regelrecht terrorisiert gefühlt, erzählt Marta Ways, Redakteurin im Ressort Leben der Funke Mediengruppe. Schweißausbrüche und Panik begleiteten sie, sobald sie nur vermutete, ein Achtbeiner könnte sich im gleichen Raum befinden. Selbst ein Videoabend bei Freunden endete vorzeitig, als eine Hauswinkelspinne durchs Wohnzimmer schlich. Ich wusste rational, dass Spinnen in Deutschland ungefährlich sind, aber die Angst ließ sich nicht wegdiskutieren – sie wurde im Gegenteil immer schlimmer.
Die Entscheidung zur Therapie
Eines Tages fasste ich den Entschluss, etwas gegen meine Phobie zu unternehmen, so Ways. Sie suchte einen Psychotherapeuten auf, der auf Angststörungen spezialisiert war. Die Diagnose: spezifische Phobie, Spinnentyp. Der Therapeut schlug eine Expositionstherapie vor – eine Methode, bei der sich der Betroffene schrittweise und kontrolliert der gefürchteten Situation aussetzt. Das Prinzip: Durch wiederholte Konfrontation lernt das Gehirn, dass die befürchtete Katastrophe nicht eintritt. Die Angstreaktion lässt nach.
Sechs Sitzungen à 45 Minuten
Die Therapie umfasste sechs Sitzungen, jede dauert 45 Minuten. Insgesamt also sechs Stunden konzentrierte Arbeit an der Angst. Die ersten Sitzungen fanden im geschützten Rahmen der Praxis statt. Zunächst betrachtete Ways Bilder von Spinnen, später Videos. Der Puls raste, die Hände zitterten. Aber mit Atemtechniken und der Anleitung des Therapeuten konnte sie die Panik allmählich kontrollieren. Nach drei Sitzungen wagte ich mich an echte Spinnen – allerdings in einem Terrarium, so Ways. Der Abstand war zunächst groß, aber Session für Session rückte ich näher.
Der Durchbruch
In der fünften Sitzung geschah das Erstaunliche: Ways ließ sich eine handelsübliche Hausspinne über die Hand krabbeln. Ich war überrascht, wie zart die Berührung war – kein Widerwille, nur ein leichtes Kribbeln, berichtet sie. Die Angst war nicht mehr da. In der letzten Sitzung wiederholte sie die Übung mit einer größeren Spinne, ohne Probleme. Heute kann ich sogar in den Keller gehen, ohne zuerst die Decke nach Spinnen abzusuchen, sagt Ways lachend. Die Expositionstherapie habe ihre Einstellung zu Ängsten grundlegend verändert: Ängste sind keine unveränderlichen Monster – sie können mit der richtigen Methode bezwungen werden.
Wirksamkeit der Methode
Expositionstherapie gilt als Goldstandard bei der Behandlung von spezifischen Phobien. Studien zeigen Erfolgsraten von über 80 Prozent. Wichtig ist die professionelle Begleitung, denn falsch durchgeführte Konfrontation kann die Angst verstärken. In Deutschland leiden etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung unter einer Spinnenphobie – die häufigsten Ängste betreffen Tiere, Höhen oder enge Räume. Marta Ways' Erfahrung zeigt: Mit der richtigen Therapie kann der Weg aus der Angst kurz und effektiv sein.



