Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass der Zuckerstoffwechsel im Gehirn von Alzheimer-Patienten anders abläuft als bei gesunden Menschen. Die Forscher identifizierten dabei ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel, das den Krankheitsverlauf möglicherweise beschleunigt.
Ablauf der Studie
Das Forschungsteam untersuchte Gehirngewebe von verstorbenen Alzheimer-Patienten sowie gesunden Kontrollpersonen. Zusätzlich analysierten sie zwei etablierte Alzheimer-Mausmodelle. In allen untersuchten Gruppen fanden sie erhöhte Werte der Glykosylierung – das ist die Anlagerung von Zuckermolekülen an Eiweiße. Besonders betroffen waren Hirnregionen, die für Gedächtnis und Denkleistungen wichtig sind.
Einfluss des Zuckerstoffwechsels
Anschließend griff das Team gezielt in den Zuckerstoffwechsel ein. Wurden Enzyme gehemmt, die für den Zuckerstoffwechsel wichtig sind, verbesserten sich die Leistungen der Alzheimer-Mäuse in Verhaltenstests. Im Gegenzug verstärkten die Wissenschaftler die Glykosylierung mithilfe von Glucosamin. Dieser Aminozucker ist als Nahrungsergänzungsmittel bekannt und wird unter anderem bei Gelenkbeschwerden eingesetzt. Bei den Alzheimer-Mäusen verschlechterten sich dadurch die kognitiven Fähigkeiten. Bei gesunden Tieren zeigte sich dieser Effekt nicht.
Auswertung von Patientendaten
Zusätzlich werteten die Forscher Gesundheitsdaten von mehr als 50.000 Menschen mit Alzheimer-assoziierten Demenzen oder leichten kognitiven Beeinträchtigungen aus. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dokumentierter Glucosamin-Einnahme und ungünstigeren Krankheitsverläufen. Bei Patienten mit Alzheimer-assoziierten Demenzen war die Einnahme mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen entwickelten häufiger eine ausgeprägte Alzheimer-Erkrankung oder eine andere Demenzform.
Die Autoren sehen darin einen möglichen Hinweis darauf, dass eine krankhaft erhöhte Glykosylierung den Verlauf von Alzheimer beeinflussen könnte. Allerdings betonen sie die Grenzen der Studie: Die Gesundheitsdaten stammen aus einer Beobachtungsanalyse und erlauben keine Aussagen über Ursache und Wirkung. Zudem lassen sich Ergebnisse aus Tiermodellen nicht direkt auf den Menschen übertragen.



