Eine aktuelle Studie aus Italien zeigt: Menschen mit einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) können von regelmäßigem Tomatenverzehr profitieren. Innerhalb von sechs Wochen verringerte sich die Leberverfettung bei den Teilnehmern, die täglich Tomaten aßen, fast doppelt so stark wie in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse wurden in einem medizinischen Fachjournal veröffentlicht.
Studiendesign: 79 Teilnehmer, sechs Wochen, zwei Gruppen
An der randomisierten Studie nahmen 79 Erwachsene mit MASLD teil. Eine Gruppe konsumierte täglich 200 Gramm rohe Tomaten und 50 Gramm Tomatensauce, während die Kontrollgruppe vollständig auf Tomaten verzichtete. Alle anderen Lebensgewohnheiten sollten unverändert bleiben. Die Forscher um Dr. Maria Rossi von der Universität Neapel betonten, dass MASLD die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit ist und durch eine übermäßige Fetteinlagerung in der Leber gekennzeichnet ist.
CAP-Wert als zentraler Messwert
Zur Bestimmung des Fettgehalts in der Leber nutzten die Wissenschaftler einen Fibroscan. Dabei wird der sogenannte CAP-Wert ermittelt, der die Fetteinlagerung quantifiziert. Ein niedrigerer CAP-Wert deutet auf eine geringere Leberverfettung hin. Nach sechs Wochen zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Kontrollgruppe sank der CAP-Wert durchschnittlich um 18 dB/m, in der Tomatengruppe jedoch um 35 dB/m – also fast doppelt so viel. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant und nicht auf Zufall zurückzuführen.
Bemerkenswert: Gewicht, Bauchumfang und Körperfettanteil entwickelten sich in beiden Gruppen gleich. Auch bei Leberenzymen, Blutzuckerwerten, Blutfetten und Entzündungsmarkern fanden die Forscher keine signifikanten Unterschiede. Die positive Wirkung scheint also spezifisch auf die Leberverfettung beschränkt zu sein.
Mögliche Mechanismen: Lycopin und andere Pflanzenstoffe
Die Autoren vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Tomate den Effekt erklären könnten. Im Fokus stehen Lycopin sowie weitere antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe. Lycopin ist ein Carotinoid, das Tomaten ihre rote Farbe verleiht und als starkes Antioxidans bekannt ist. Ob diese Substanzen tatsächlich für den beobachteten Rückgang der Leberverfettung verantwortlich sind, konnte die Studie jedoch nicht abschließend klären. Dazu wären weitere Untersuchungen mit gezielten Messungen der Blutspiegel nötig.
Stärken und Einschränkungen der Studie
Zu den Stärken der Untersuchung zählen das randomisierte Studiendesign sowie die verblindete Auswertung der Lebermessungen. Die Forscher weisen jedoch auf mehrere Einschränkungen hin: Die Teilnehmerzahl war mit 79 Personen relativ klein, und die Studiendauer von sechs Wochen ist kurz. Zudem wurde die Einhaltung der Ernährungsvorgaben nicht objektiv kontrolliert, und es wurden keine Blutspiegel von Lycopin gemessen. Darüber hinaus waren ausschließlich Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) bis 30 eingeschlossen, sodass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Menschen mit Adipositas übertragbar sind.
Die Autoren bewerten ihre Ergebnisse als vorläufig und betonen den weiteren Forschungsbedarf. Langzeitstudien mit größeren und diverseren Teilnehmergruppen sind erforderlich, um die potenziellen Vorteile von Tomaten bei MASLD zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen aufzuklären. Dennoch liefern die Ergebnisse einen vielversprechenden Hinweis darauf, dass eine einfache Ernährungsumstellung – der tägliche Verzehr von Tomaten – einen positiven Beitrag zur Lebergesundheit leisten könnte.



