Die Sanierung des Wohnkomplexes „Schlange“ in Berlin-Wilmersdorf verzögert sich erneut. Wie die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo bekannt gab, müssen die Mieter nun zwei Jahre länger als geplant in ihren Übergangswohnungen ausharren. Ursprünglich sollten die ersten Bewohner bereits 2026 in ihre sanierten Wohnungen zurückkehren. Daraus wird vorerst nichts.
Degewo verschiebt Rückkehr der Mieter erneut
Die Degewo teilte den betroffenen Haushalten mit, dass sich die Fertigstellung der aufwendigen Sanierung der sogenannten „Schlange“ um weitere 24 Monate verschiebt. Damit bleibt die Zwischenlösung für die Mieterinnen und Mieter bis mindestens 2028 bestehen. Die „Schlange“ ist ein markanter Wohnkomplex, der über die Stadtautobahn A100 gebaut wurde. Die Sanierung des Bauwerks aus den 1970er-Jahren gestaltet sich offenbar schwieriger als gedacht.
Mieterbeirat kritisiert Informationspolitik
Ralf Mennicke, Mitglied im Mieterbeirat und Sanierungsbeirat des Wohnkomplexes, zeigte sich verärgert über die neuerliche Verzögerung. „Einige Mieter sind stinksauer“, sagte Mennicke der Berliner Morgenpost. Er befürchtet, dass es nicht bei der angekündigten Verlängerung bleiben wird. Die Kommunikation der Degewo lasse in puncto Transparenz und Planungssicherheit stark zu wünschen übrig.
Hintergründe der Sanierungsverzögerung
Die Sanierung der „Schlange“ ist ein Großprojekt: Der Gebäudekomplex umfasst mehrere hundert Wohnungen. Neben der energetischen Modernisierung müssen auch statische Probleme behoben werden, die durch die besondere Konstruktion über der Autobahn entstehen. Die Arbeiten erfordern eine enge Abstimmung mit den Behörden und der Autobahn GmbH des Bundes. Laut Degewo seien unerwartete technische Schwierigkeiten im Betonbau aufgetreten, die zusätzliche Gutachten und Planungsänderungen notwendig machten.
Mieter fühlen sich im Stich gelassen
Für viele der betroffenen Mieter ist die erneute Verzögerung eine große Belastung. Sie hatten sich darauf eingestellt, bald in ihre angestammten Wohnungen zurückzukehren. Stattdessen müssen sie nun weiterhin in oft kleineren und teureren Übergangswohnungen leben. Die Degewo betont zwar, dass sie die Umzüge und die Differenz der Mieten übernimmt, doch für viele ist das nur ein schwacher Trost. „Die Unsicherheit ist das Schlimmste“, so ein betroffener Mieter, der namentlich nicht genannt werden möchte.
Degewo verspricht regelmäßige Updates
Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher der Degewo, man verstehe den Unmut der Mieter. Man werde künftig häufiger und detaillierter über den Fortschritt der Arbeiten informieren. Zudem prüfe man, ob einzelne Gebäudeteile früher fertiggestellt werden können, um zumindest einem Teil der Bewohner eine schnellere Rückkehr zu ermöglichen. Konkrete Zusagen wollte der Sprecher jedoch nicht machen.
Sanierung der „Schlange“: Ein Langzeitprojekt
Die Sanierung der „Schlange“ läuft bereits seit mehreren Jahren. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, die sowohl auf technische als auch auf bürokratische Hürden zurückzuführen waren. Der Wohnkomplex ist ein bekanntes Beispiel für den Wohnungsbau der Nachkriegszeit in Berlin. Die besondere Lage über der Autobahn stellt hohe Anforderungen an die Bausubstanz und die Lärmschutzdämmung. Die Degewo hat nach eigenen Angaben bereits einen dreistelligen Millionenbetrag in das Projekt investiert.
Forderungen nach Entschädigung
Angesichts der erneuten Verzögerung fordern Mietervertreter eine finanzielle Entschädigung für die Betroffenen. „Die Mietminderung allein reicht nicht aus“, sagt Mennicke. Man werde die Degewo auffordern, einen Härtefallfonds einzurichten. Auch die Politik sei gefordert, Druck auf die landeseigene Gesellschaft auszuüben. Der zuständige Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.
Ausblick: Rückkehr frühestens 2028
Die Degewo geht nun davon aus, dass die ersten Wohnungen im Jahr 2028 wieder bezugsfertig sein werden. Bis dahin müssen die Mieter weiterhin Geduld aufbringen. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr hat sich für viele zerschlagen. Die Stimmung im betroffenen Mieterkreis ist entsprechend angespannt. Die Berliner Morgenpost wird weiterhin über die Entwicklungen berichten.



