Im Prozess um den Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke in Genua sind am Donnerstag 32 der 57 Angeklagten schuldig gesprochen worden. Das Gericht verurteilte unter anderem den damaligen Chef des Autobahnbetreibers Aspi, Giovanni Castellucci, zu zwölf Jahren und den für Instandhaltung zuständigen Aspi-Manager Michele Mitelli zu elf Jahren Gefängnis. Die frühere Nummer zwei des Unternehmens, Paolo Berti, muss für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.
Hintergrund des Urteils
Die Staatsanwaltschaft hatte für die 57 Angeklagten insgesamt mehr als 400 Jahre Gefängnis gefordert, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Verkehrssicherheit und Urkundenfälschung. Bei den Angeklagten handelte es sich überwiegend um Führungskräfte von Aspi und dessen Tochterunternehmen Spea sowie um Angestellte des italienischen Infrastrukturministeriums. Das vierjährige Gerichtsverfahren endete mit einem Urteil, das deutlich hinter den Forderungen der Anklage zurückblieb.
Opfer und Folgen des Brückeneinsturzes
Bei dem Brückeneinsturz am 14. August 2018 waren 43 Menschen ums Leben gekommen. Ein Pfeiler der Morandi-Brücke hatte nachgegeben, sodass die Fahrbahn auf einer Strecke von etwa 200 Metern wegbrach. Dutzende Fahrzeuge stürzten in die Tiefe. Nach Angaben des Ermittlungsrichters waren seit der Einweihung der Brücke 1967 „nicht einmal minimale Instandhaltungsmaßnahmen ergriffen“ worden, um die Tragseile des eingestürzten Pfeilers zu verstärken.
Reaktionen und weitere Haftstrafen
Ex-Aspi-Chef Castellucci sagte vor den Richtern: „Ich fühle mich verantwortlich, aber nicht schuldig.“ Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn 18 Jahre Gefängnis gefordert. Castellucci verbüßt bereits eine Haftstrafe wegen eines Verkehrsunglücks in Süditalien 2013, bei dem ein Bus ein Brückengeländer durchbrochen hatte und 40 Menschen starben.



