Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 70-jährigen Mann aus Berlin erhoben, der im Jahr 2021 versucht haben soll, über zwei Tonnen Kokain mit einem Katamaran von Brasilien nach Europa zu schmuggeln. Der Beschuldigte soll die Operation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz und Deutschland heraus koordiniert haben.
Verschlüsselte Kommunikation und Millionen-Zahlungen
Laut Anklage nutzte der Mann ein speziell verschlüsseltes Telefon des Anbieters Sky ECC, um die Transporte zu planen. Rund 2,2 Tonnen Kokain sollten zunächst von Brasilien nach Sierra Leone verschifft werden. Von dort aus war geplant, die Drogen mit einem Schleppschiff nach Europa zu bringen. Für die Organisation und die Vorschüsse zahlte der Angeschuldigte den Beteiligten mehr als zwei Millionen Euro im Voraus.
Der Plan scheiterte jedoch, als das Schleppschiff keinen Kontakt zum Katamaran herstellen konnte. Daraufhin kehrte der Katamaran mit der Drogenladung zurück in Richtung Brasilien. Rund 270 Kilometer vor der brasilianischen Küste wurde das Schiff von der Küstenwache abgefangen und die Besatzung festgenommen.
Harte Strafen für die Crew
Die Besatzungsmitglieder des Katamarans wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Kapitän erhielt eine Strafe von 23 Jahren und vier Monaten. Die beschlagnahmten Drogen wurden vernichtet, das Segelboot einer brasilianischen Universität zur Meeresforschung übergeben.
Der 70-jährige Angeschuldigte wurde über die Handydaten des Sky-ECC-Systems identifiziert. Er hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Unschuldsvermutung gilt.
Vorstrafen und mögliche Folgen
Der Berliner war bereits 2009 in New York wegen Drogenhandels zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. 2024 folgte eine weitere Verurteilung in Berlin zu sieben Jahren Haft. Sollte es im aktuellen Verfahren zu einer Verurteilung kommen, drohen ihm weitere zehn Jahre Haft.
Die Verschlüsselung des Kommunikationssystems Sky ECC war Ende 2020 von der EU-Polizeibehörde Europol geknackt worden. Dabei sicherten die Ermittler Millionen von Chat-Nachrichten aus der ganzen Welt, die nun als Beweismittel dienen können. Der Fall zeigt die internationalen Dimensionen des Drogenhandels und die enge Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden.



