Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine 70-jährige Ärztin und ihren 47-jährigen Sohn wegen versuchten Mordes erhoben. Die Frau soll am Sonntag, den 28. Juli 2026, die frühere Lebensgefährtin ihres Sohnes am Mainufer mit einem Messer attackiert haben. Nur durch das beherzte Eingreifen eines Zeugen und des Begleiters des Opfers konnte Schlimmeres verhindert werden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Dominik Mies steht die Tat kurz vor einem Femizid: „Womöglich wurde durch die schnellen Ermittlungen und die Festnahme des Mannes verhindert, dass eine junge Frau getötet wird.“
Die Bluttat am Mainufer
Die Attacke ereignete sich gegen 15 Uhr am Mainkai in Höhe des Eisernen Stegs in Frankfurt. Die 37-jährige Frau war mit einem Begleiter unterwegs, als die Tatverdächtige, die pensionierte Ärztin Dr. Luise H., sie von hinten an den Haaren zog und mit einem Messer auf sie einstach. Laut Polizeibericht erlitt das Opfer oberflächliche Schnittverletzungen im Hals- und Gesichtsbereich. Der 33-jährige Begleiter und ein weiterer Zeuge gelang es, die Angreiferin von der Frau zu trennen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Dabei zog sich der Zeuge eine Schnittverletzung am Finger zu. Die Polizei nahm die 70-Jährige noch am Tatort fest.
Die Hintergründe: Eine zerrüttete Beziehung
Wie die Ermittlungen ergaben, ist die Angreiferin die Mutter von Dr. Alexander H., dem ehemaligen Lebensgefährten des Opfers. Das Paar hatte sich offenbar im Streit getrennt, und die 37-Jährige hatte ein Kontakt- und Annäherungsverbot gegen den 47-Jährigen erwirkt. Seitdem eskalierte die Situation. Nachbarn berichten von wiederholten Auseinandersetzungen und Drohungen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Mutter und Sohn gemeinsam einen Mordplan schmiedeten. Der Sohn habe am Abend des Angriffs mit einer scharfen Schusswaffe, Munition und einem weiteren Messer in seinem Auto die Wohnung des Opfers aufgesucht, sei dann aber abgedreht. Die Polizei nahm ihn gegen 23.30 Uhr vor seiner eigenen Wohnung fest. Augenzeugen berichten, er habe wiederholt gerufen: „Ich habe damit nichts zu tun, ich habe nichts getan.“
Ermittlungen und Haftbefehle
Gegen Dr. Luise H. erging am Montag Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Einen Tag später folgte der Haftbefehl gegen ihren Sohn. Die Kripo fand zudem Hinweise, dass der 47-Jährige bereits länger einen Groll gegen sein Ex-Partnerin hegte. Die Waffen in seinem Auto seien scharf gewesen, so die Behörde. Oberstaatsanwalt Mies betonte die Gefährlichkeit der Situation: „Ohne die Festnahme wäre es sonst möglicherweise zu einem Femizid gekommen.“ Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die extremen Abgründe einer Eltern-Kind-Beziehung, die in tödliche Gewalt umzuschlagen drohte.
Aussagen der Verteidigung
Der Verteidiger von Dr. Alexander H., Rechtsanwalt Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger, erklärte gegenüber BILD: „Ich habe meinen Mandanten heute in der Untersuchungshaft getroffen. Mein Mandant ist zutiefst geschockt von dem, was passiert ist, und auch von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er bestreitet die Tatvorwürfe klipp und klar. Er hat keinerlei Erklärung dafür, was seine Mutter getan haben soll. Er war in angebliche Pläne in keiner Weise eingeweiht.“ Die 70-jährige Ärztin selbst schweigt zu den Vorwürfen, wie ihr Verteidiger mitteilte. Die weiteren Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob die Mutter und der Sohn als Mittäter oder in unterschiedlicher Verantwortung zu belangen sind.



