Abdul Ballout, der im Juni 2026 bei einem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin mehrere Menschen tötete und verletzte, hat sich bereits während seiner Jugendhaft als religiöser Führer aufgespielt. Der damals 21-Jährige nutzte die Zeit im Gefängnis, um eine Rolle als Imam einzunehmen und gezielt Mitinsassen zu beeinflussen.
Fünfmal täglich gebetet
Nach Informationen von Ermittlern betete Ballout fünfmal täglich und versuchte, andere Häftlinge für seine radikalen Ansichten zu gewinnen. Die Justiz reagierte auf sein Verhalten, indem sie ihn von der Gemeinschaft isolierte. Doch statt ihn zu brechen, stärkte die Isolation offenbar seinen Fanatismus. Interne Dokumente, die der Redaktion vorliegen, zeigen, dass Ballout nach seiner Entlassung von den Behörden eng überwacht wurde. Er galt als „Mentor“ für ehemalige Mitgefangene, die er noch vor den Toren der Haftanstalt traf. „Er war ein Meister der Manipulation“, sagte ein Ermittler gegenüber der Redaktion. „Seine Rolle als Imam im Knast hat ihm Autorität verliehen, die er nach der Haft für seine Radikalisierung nutzte.“
Die Reaktion der Justiz
Die Justiz isolierte Ballout, nachdem er begonnen hatte, andere Häftlinge zu organisieren. Er leitete Gebete und suchte gezielt nach jungen Männern, die empfänglich für seine Ideologie waren. Die Isolation sollte ihn von der Gemeinschaft trennen, führte aber laut Strafvollzugsexperten zu einer Verstärkung seiner Überzeugungen. „In Einzelhaft verfestigt sich oft der Fanatismus, weil keine Gegenrede mehr stattfindet“, erklärte ein Kriminologe. Die Behörden dokumentierten, dass Ballout auch nach der Verlegung in eine andere Abteilung weiterhin Kontakt zu Mitinsassen suchte.
Überwachung nach der Haft
Nach seiner Entlassung im Jahr 2025 stand Ballout unter intensiver Beobachtung der Polizei. Die Ermittler notierten seine Treffen mit Ex-Mitgefangenen, die er vor der JVA abholte. Laut internen Berichten fungierte er als „religiöser Ansprechpartner“ und „Vorbild“ für mehrere Männer. Seine Rolle als Imam habe ihm geholfen, ein Netzwerk aufzubauen, das die Ermittler als „extremistisch“ einstufen. Die Überwachung zeigte, dass er sich regelmäßig mit anderen radikalisierten Personen traf und Propagandamaterial austauschte. Die Behörden schätzen sein Netzwerk als gefährlich ein. „Ballout hat es verstanden, junge Männer an sich zu binden und für seine Sache zu gewinnen“, so ein Sicherheitsexperte.
Gefährliches Netzwerk
Die internen Unterlagen geben Aufschluss über die Struktur von Ballouts Netzwerk. Demnach hatte er Kontakt zu mindestens fünf Personen, die ebenfalls eine Haftstrafe wegen extremistischer Delikte verbüßt hatten. Die Ermittler vermuten, dass dieses Netzwerk weiterhin aktiv ist und möglicherweise Anschläge plant. Ballout selbst wurde nach dem CSD-Anschlag festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Behörden prüfen, ob seine ehemaligen Mitgefangenen in die Tat verwickelt sind. „Wir gehen davon aus, dass Ballout seine Rolle als Imam im Knast genutzt hat, um eine Zelle aufzubauen, die über seine Entlassung hinaus bestand“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.



