Justizpalast in Bozen teilweise eingestürzt – Gerichtspräsidentin spricht von Wunder
Justizpalast in Bozen eingestürzt – Gerichtspräsidentin spricht von Wunder

In Bozen ist am Donnerstagmorgen ein Teil des Justizpalastes eingestürzt. Nur eine Person wurde leicht verletzt. Die Gerichtspräsidentin spricht von einem „Wunder“ und betont, dass es eine Tragödie hätte sein können.

Einsturz des Justizpalastes in Bozen – eine Person leicht verletzt

Am Morgen des 16. Juli 2026 stürzte in der Landeshauptstadt Südtirols ein Teil des Justizpalastes ein. Bilder der Feuerwehr zeigen ein großes Loch in der Decke des Gebäudes, Trümmerteile liegen auf dem Treppenaufgang verstreut. Der mittlere Gebäudeteil ist den Angaben zufolge in sich zusammengestürzt. Eine Explosion als Ursache wurde ausgeschlossen.

Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich nur drei Personen im Justizpalast – drei Reinigungskräfte. Eine von ihnen wurde leicht verletzt, als herabfallende Trümmer ihren Arm trafen. Die Frau war kurzzeitig vermisst, konnte aber telefonisch erreicht und sicher aus dem Gebäude geführt werden. Schwerverletzte oder Tote gibt es nicht.

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Renovierungsarbeiten als Ursache – Ermittlungen laufen

Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa, dass der Einsturz auf Renovierungsarbeiten an einem tragenden Pfeiler des Gebäudes zurückzuführen sei. Die genauen Ermittlungen zur statischen Ursache laufen derzeit. „Es hätte eine Tragödie sein können“, so Bortolotti.

Techniker sind vor Ort und prüfen, ob weitere Einsturzgefahr besteht. Die Berufsfeuerwehr Bozen setzt dabei auch eine Drohne ein, um „technische Erkenntnisse über die Lage und das Einsturzgeschehen zu gewinnen“. Suchhunde sind im Einsatz, der Bereich rund um den Justizpalast ist abgesperrt.

Historische Bedeutung des Justizpalastes

Der Justizpalast in Bozen ist nicht nur ein Gerichtsgebäude, sondern hat eine besondere historische Bedeutung. Das Bauwerk wurde während der faschistischen Diktatur errichtet und war ein Schlüsselprojekt der Italianisierung Südtirols. Nach der Annexion des mehrheitlich deutschsprachigen Gebiets durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg versuchte der Faschismus ab den 1920er- und 1930er-Jahren, Bozen gezielt zu einer italienischen Großstadt umzugestalten.

Der Gerichtsplatz wurde als neues, monumentales Verwaltungszentrum im rationalistischen Baustil errichtet, um die Macht des italienischen Staates zu demonstrieren. Das Gerichtsgebäude selbst, entworfen vom Architekten Paolo Rossi de Paoli, trägt an der Stirnfassade eine weithin sichtbare, lateinische Inschrift, die übersetzt bedeutet: „Für das italienische Reich, mit Tugend, Gerechtigkeit, Hierarchie, mit Krallen und Zähnen“. Dieser faschistische Wahlspruch empfinden viele Südtiroler – insbesondere der deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerungsteil – als Affront. Kritiker fordern seit Jahrzehnten die Entfernung oder zumindest eine historische Kontextualisierung der Inschrift.

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