Jahrzehntelanger Missbrauch: Anklage gegen 63-Jährigen in Augsburg
Missbrauch über Jahrzehnte: Anklage gegen 63-Jährigen

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat Anklage gegen einen 63-jährigen Geschäftsmann erhoben. Ihm wird vorgeworfen, über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Jungen sexuell missbraucht zu haben. Die Taten sollen in schallisolierten Wohnungen stattgefunden haben, die mit Spielkonsolen wie einer Playstation ausgestattet waren, um die Opfer anzulocken.

Schwere Vorwürfe und jahrzehntelange Taten

Laut Anklage soll der Mann zwischen 1987 und 2021 mindestens 30 Jungen im Alter von etwa 8 bis 14 Jahren missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer hohen kriminellen Energie und einem systematischen Vorgehen. Der Beschuldigte habe die Kinder über Geschenke und Einladungen in seine Wohnungen gelockt.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Wohnungen speziell präpariert waren: Schalldämmung an den Wänden, um keine Geräusche nach außen dringen zu lassen. Die Playstation diente als Köder, um die Jungen anzulocken und ihr Vertrauen zu gewinnen.

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Frühere Hinweise und Versäumnisse

Besonders brisant: Bereits in den 1990er Jahren gab es Hinweise auf den Mann. Die Augsburger Allgemeine berichtet, dass er damals in einem anderen Verfahren verurteilt wurde, jedoch nicht wegen Missbrauchs, sondern wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials. Eine Einstellung des Verfahrens oder eine zu milde Strafe hätten die späteren Taten möglicherweise verhindern können.

„Die Behörden hätten früher handeln müssen“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Man habe jedoch erst nach einem neuen Hinweis im Jahr 2021 die Ermittlungen aufgenommen, die nun zur Anklage führten.

Komplize ebenfalls angeklagt

Neben dem Haupttäter hat die Staatsanwaltschaft auch einen früheren Komplizen angeklagt. Dieser soll den 63-Jährigen bei mindestens zwei Taten unterstützt haben. Die Männer sollen sich über Jahre gekannt haben und gemeinsame Aktionen geplant haben.

Die Anklage umfasst insgesamt 35 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie weitere Delikte wie Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften.

Opfer und Unterstützung

Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Opfer und ihre Familien umfassend betreut werden. Eine spezialisierte Beratungsstelle sei eingebunden. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und tun alles, um die Aufarbeitung zu unterstützen“, so der Sprecher.

Der Prozess soll vor dem Landgericht Augsburg stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung eine langjährige Haftstrafe.

Gesellschaftliche Debatte

Der Fall wirft erneut Fragen nach dem Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt auf. Experten fordern schärfere Kontrollen und eine bessere Vernetzung der Behörden, um solche Taten frühzeitig zu verhindern. Die Augsburger Staatsanwaltschaft verweist auf die hohe Sensibilität des Falls und die sorgfältige Arbeit der Ermittler.

Die Anklage ist ein wichtiger Schritt, um die Taten aufzuarbeiten und den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen. Die Justiz wird nun über das Strafmaß entscheiden.

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