Das Landgericht Oldenburg hat eine 39-jährige Mutter zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil sie mit ihren beiden Kindern vorsätzlich einen Autounfall verursacht hatte. Die Frau war am 17. Februar in Lohne (Landkreis Vechta) mit rund 70 Kilometern pro Stunde gegen einen Baum gefahren. Das Gericht sprach sie des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Zudem entzog es ihr die Fahrerlaubnis für mindestens vier Jahre.
Die Tat: „Wir fahren jetzt los und bauen einen Unfall“
Der Vorsitzende Richter schilderte den Hergang der Tat detailliert. Die Angeklagte habe unter psychischen Problemen gelitten und nach der Trennung von ihrem Partner zunehmend Alkohol getrunken, anstatt sich Hilfe zu suchen. Am Tattag sei sie „unsicher, verletzt und voller Selbstmitleid“ gewesen. Aus dieser Stimmung heraus sei „eine wirkliche Aggression“ hervorgebrochen. Sie habe ihrem Partner in Textnachrichten gedroht und ihm schwere Vorwürfe gemacht – ein Verhalten, das der Richter als „kindisch“ bezeichnete.
Als sie erkannte, dass sie die Trennung nicht rückgängig machen konnte, fasste sie laut Gericht einen fatalen Entschluss. „Wir fahren jetzt los und bauen einen Unfall“, soll sie zu ihren Kindern gesagt haben, um ihrem Partner eine Szene zu machen. Sie setzte die beiden ins Auto und fuhr los. Da der Partner nicht zu Hause war, gab sie stattdessen Gas und steuerte gezielt auf einen Baum zu.
Folgen für die Kinder: Tochter nur knapp überlebt
Der Aufprall mit hoher Geschwindigkeit hatte schwerwiegende Konsequenzen. „Positiv ist: Es ist niemand tot“, sagte der Richter. Doch die damals achtjährige Tochter überlebte nur knapp. Sie musste dreimal wiederbelebt werden und wurde notoperiert, wobei ihr eine Niere entfernt wurde. Der zehnjährige Sohn erlitt lediglich eine Schürfwunde und einen gebrochenen Zeh, während die Mutter selbst Knochenbrüche davontrug.
Das Mädchen und die gesamte Familie durchlitten ein Martyrium, wie der Richter betonte. Der Vater habe sich aufopfernd um die Kinder gekümmert und inzwischen das alleinige Sorgerecht erhalten. Die Kinder wollen ihre Mutter nicht mehr sehen. „Damit müssen Sie leben“, sagte der Richter direkt an die Angeklagte gewandt.
Urteil: Verminderte Schuldfähigkeit anerkannt
Das Gericht erkannte bei der 39-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund psychischer Probleme an. Der Richter betonte jedoch: „Sie haben zwei Verbrechen begangen an ihren Kindern.“ Die Mutter müsse hart an sich arbeiten. „Sie sind in der Lage, sich zu ändern“, so der Richter. Eines Tages würden ihre Kinder nach dem Warum fragen. Nur mit einer ehrlichen Antwort habe sie eine Chance, ihr Vertrauen zurückzugewinnen.
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich wegen versuchten Mordes angeklagt, ging aber später von versuchtem Totschlag aus und forderte sieben Jahre Haft sowie einen fünfjährigen Führerscheinentzug. „Es hätte nicht so weit kommen müssen“, sagte der Oberstaatsanwalt bedauernd. Die Verteidigerin plädierte hingegen auf fünf Jahre Haft und betonte, ihre Mandantin sei keine schlechte Mutter. „Sie würde für Ihre Kinder alles tun“, so die Anwältin. „Doch in dem Moment war die Angeklagte auch krank.“
Reaktion der Angeklagten: „Die größte Strafe habe ich mir selbst auferlegt“
Vor der Urteilsverkündung bat die Angeklagte ihre Familie um Entschuldigung. „Die größte Strafe habe ich mir einfach selbst auferlegt“, sagte sie unter Tränen. „Ich habe nicht nur meine Kinder unfassbar enttäuscht, sondern euch alle.“ Sie beschrieb den Tag der Tat als „wie fremdgesteuert“ und beteuerte, sie würde die Tat am liebsten rückgängig machen. „Ich schäme mich einfach so doll, vor allem vor meinen Kindern.“ Die Tränen rollten ihr über das Gesicht, auch am letzten Verhandlungstag.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall zeigt auf tragische Weise, wie unverarbeitete psychische Probleme und eine Trennung zu einer Katastrophe führen können. Die Mutter hatte keine Hilfe gesucht, sondern sich in Alkohol geflüchtet – mit fatalen Folgen für ihre Familie.



