Christa Katzur war gerade einmal zwei Jahre alt, als ihre Mutter Hedwig Ehbauer einem der brutalsten Serienmörder der Berliner Geschichte zum Opfer fiel. Der Täter: Paul Ogorzow, bekannt als der S-Bahn-Mörder. Ganze 85 Jahre lang blieb das Schicksal ihrer Mutter für Christa Katzur im Dunkeln – bis sie durch einen Zufall ein einziges Foto von Hedwig entdeckte.
Die Tat des S-Bahn-Mörders
Paul Ogorzow terrorisierte zwischen 1940 und 1941 die Berliner Bevölkerung. Er vergewaltigte und ermordete mindestens acht Frauen in der S-Bahn und deren Umgebung. Hedwig Ehbauer war eines seiner Opfer. Die junge Mutter wurde auf dem Weg nach Hause überfallen und getötet. Christa Katzur wuchs ohne Erinnerungen an ihre Mutter auf – kein Foto, kein persönlicher Gegenstand blieb in der Familie. „Ich wusste nur, dass sie ermordet wurde, aber niemand sprach darüber“, erinnert sich die heute 87-Jährige im Gespräch mit der Berliner Zeitung.
Die Entdeckung nach 85 Jahren
Erst im Jahr 2026, als Christa Katzur bereits im hohen Alter ist, stößt sie auf ein historisches Archivfoto. Es zeigt Hedwig Ehbauer – das einzige bekannte Bild von ihr. Die Entdeckung erfolgte durch die Recherchen von Sarah Dapena Fernandez, die für die Berliner Zeitung über den Fall arbeitete. „Als ich das Bild sah, war ich sprachlos. Ich hatte nie gewusst, wie sie aussah“, sagt Katzur. Das Foto, das in einer Polizeiakte aus den 1940er Jahren gefunden wurde, zeigt eine junge Frau mit sanftem Lächeln – ein scharfer Kontrast zur Brutalität ihres Todes.
Die Bedeutung der späten Wiederentdeckung
Für Christa Katzur schließt sich ein Kreis. „Es ist, als hätte ich meine Mutter nach all den Jahren wiedergefunden“, erklärt sie. Die Geschichte zeigt, wie tief die Wunden von Gewaltverbrechen in Familien nachwirken können. Der Fall des S-Bahn-Mörders Paul Ogorzow ist einer der bekanntesten der Berliner Kriminalgeschichte. Er wurde 1941 gefasst und 1942 hingerichtet. Hedwig Ehbauer war eines von acht nachgewiesenen Opfern. Ihre Tochter Christa Katzur lebte ihr Leben lang mit dem Wissen um den Mord, aber ohne ein Bild der Mutter. „Dieses Foto gibt mir ein Gefühl von Frieden“, so Katzur abschließend.



