Die sächsische Steuerfahndung hat im Jahr 2025 Steuerbetrug in erheblichem Umfang aufgedeckt. Das Finanzministerium in Dresden beziffert das sogenannte Mehrergebnis auf rund 71,5 Millionen Euro. Damit konnten die Ermittler dem Fiskus erneut eine zweistellige Millionensumme sichern, die zuvor am Staat vorbeigeschleust worden war.
Bilanz der Steuerfahndung: Diese Steuerarten stehen im Fokus
Das Mehrergebnis setzt sich aus mehreren Steuerarten zusammen. Den größten Posten machte mit rund 53,3 Millionen Euro die Umsatzsteuer aus. Hinzu kommen knapp zehn Millionen Euro bei der Einkommensteuer sowie 3,1 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer.
- 53,3 Millionen Euro: nicht gezahlte Umsatzsteuer
- knapp 10 Millionen Euro: hinterzogene Einkommensteuer
- 3,1 Millionen Euro: Gewerbesteuer
Insgesamt leiteten die Steuerfahnder 383 Strafverfahren und sieben Bußgeldverfahren ein. Vor Gericht endeten die Ermittlungen in Haftstrafen von insgesamt 70 Jahren, wie das Ministerium mitteilte. Damit zeigt sich: Die Steuerhinterziehung in Sachsen bleibt ein hartnäckiges Problem – auch wenn die Fallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren schwanken.
Bereits Ende Mai hatte das Finanzministerium Zahlen zu rechtskräftig abgeurteilten Fällen vorgelegt. Demnach lag die Summe der aufgedeckten Steuerhinterziehung im Jahr 2025 bei 61,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es sogar 176 Millionen Euro. Die nun vorgelegte Jahresbilanz der Steuerfahndung umfasst zusätzlich noch laufende Ermittlungen und vorläufige Mehrergebnisse.
Steuerfahndung als Fundament des Rechtsstaats
Für Finanzminister Christian Piwarz (CDU) ist die Arbeit der Steuerfahnder weit mehr als nur eine Frage des Geldes. „Eine effektive Steuerfahndung ist für eine funktionierende Demokratie essenziell“, sagte Piwarz. „Wenn Steuerschlupflöcher und Steuerbetrug toleriert werden, leidet nicht nur die Steuergerechtigkeit, sondern auch das Vertrauen in den Rechtsstaat.“
Steuerhinterziehung schwäche das Gemeinwesen und die Solidarität der Gesellschaft, so der Minister weiter. Wer Ungleichheit vor dem Gesetz hinnehme, setze nicht nur das Steueraufkommen aufs Spiel, sondern gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich die Demokratie selbst. Vor diesem Hintergrund sei die konsequente Verfolgung von Steuerstraftaten unverzichtbar.
Umsatzsteuerkarusselle: AirPods und Telekommunikation im Visier
Ermittlungserfolge gelangen den Fahndern vor allem bei organisierter Steuerhinterziehung. Nach Angaben des Finanzministeriums ist die Europäische Staatsanwaltschaft inzwischen ein wichtiger Partner der sächsischen Steuerfahndung. Mehr als die Hälfte des aufgedeckten Steuerschadens gehe auf gemeinsame Ermittlungen zurück. Dabei deckten die Fahnder mehrere sogenannte Umsatzsteuerkarusselle auf – eine besonders perfide Form der Steuerhinterziehung.
Die Funktionsweise erklärte das Ministerium so: „Betrüger nutzen die Regelungen der EU zur grenzüberschreitenden Umsatzsteuerbefreiung (Innergemeinschaftliche Lieferung) aus, um sich die Vorsteuer vom Finanzamt erstatten zu lassen, ohne dass die Umsatzsteuer zuvor an den Staat abgeführt wurde.“
Konkret deckten die Ermittler ein Umsatzsteuerkarussell beim Handel mit Apple AirPods auf. Zudem gelang ein Schlag gegen eine Bande, die im Bereich Telekommunikationsleistungen Umsatzsteuer hinterzogen hatte. In beiden Fällen dauern die Ermittlungen an.
„Nimmersatt“: Autohandel mit Unfallfahrzeugen aus den USA
Weitere Erfolge meldeten die Steuerfahnder im Verbund mit Ermittlungspartnern beim internationalen Autohandel. Im Verfahren mit dem Codenamen „Nimmersatt“ geht es um den Import von Unfallfahrzeugen aus den USA. „Die beschädigten Fahrzeuge wurden im Baltikum nur oberflächlich repariert und europaweit an Endkunden verkauft“, hieß es. Dabei sollen Zölle hinterzogen und Umsatzsteuer in Millionenhöhe am Fiskus vorbeigeschleust worden sein. Auch hier sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Mehr Personal und neue Strukturen bei der Steuerfahndung
Um der wachsenden Komplexität der Ermittlungen gerecht zu werden, hat Sachsen die Steuerfahndung personell aufgestockt. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Vollzeitstellen um 15 auf insgesamt 130 erhöht. "Allerdings nehmen die Herausforderungen und die Komplexität der Ermittlungsarbeit hiesiger Steuerfahnder immer mehr zu. Vor diesem Hintergrund sind weitere organisatorische Schritte in der sächsischen Steuerfahndung geplant", teilte das Ministerium mit.
Die Forderung nach einem weiteren Ausbau kommt auch aus der Opposition. Die Linke im Sächsischen Landtag verlangte, die Steuerfahndung personell und strukturell zu stärken, damit mehr Fälle aufgedeckt und mehr hinterzogene Steuern eingetrieben werden können. Angesichts der hohen Summen, die Jahr für Jahr am Fiskus vorbeigeschleust werden, dürfte das Thema auch in den kommenden Monaten auf der politischen Agenda bleiben.



