Berliner Stadtrat fordert Ausbau von 80-Cent-Jobs für Asylbewerber
Berlin: Stadtrat fordert mehr 80-Cent-Jobs für Asylbewerber

Die Zahl der Asylbewerber, die in Berlin sogenannte 80-Cent-Jobs ausüben, ist weiter gesunken. Während andere Städte und Landkreise ihr Angebot ausbauen, verzeichnet die Hauptstadt einen Rückgang von 253 Teilnehmern im Vorjahr auf aktuell nur noch 205. Das entspricht weniger als einem Prozent der insgesamt 33.105 Menschen, die in Berlin Asylleistungen beziehen.

Neuköllner Stadtrat kritisiert Zustand

Für Neuköllns Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. In einem Protestschreiben an die zuständige SPD-Senatorin Cansel Kiziltepe warnt er, dass durch den Verzicht auf mehr Beschäftigungsangebote viele Asylbewerber zum „Abwarten und Nichtstun“ verdammt würden. Rehfeldt fordert für jeden der zwölf Berliner Bezirke eine Million Euro, um jeweils 200 Teilnehmerplätze bei freien Trägern zu schaffen. Pro zehn Flüchtlinge soll ein Anleiter zur Verfügung stehen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die geplanten Jobs umfassen Tätigkeiten wie Senioren- oder Behindertenbegleitung, Unterstützung in Jugendverkehrsschulen, Holz- und Fahrradwerkstätten, Suppenküchen sowie das Aufsammeln von Drogenspritzen in Parks. Wichtig ist Rehfeldt und dem erfahrenen Beschäftigungsexperten Gernot Zessin (56, „Kubus“), dass die Teilnahme freiwillig bleibt: „Jemand, der gezwungen wird, kommt erst gar nicht“, so Zessin.

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Thüringen als Vorbild

Ein erfolgreiches Modell existiert bereits im thüringischen Landkreis Greiz. Dort wurde 2024 eine reguläre Arbeitspflicht eingeführt. Von 470 Asylbewerbern sind 192 erwerbsfähig – alle erhielten einfache 25-Stunden-Jobs, etwa die Pflege von Wander- und Radwegen oder Hilfe bei öffentlichen Veranstaltungen. Wer einen Sprachkurs besucht, ist von der Pflicht befreit. Bisher gibt es keine Verweigerer. Landrat Ulli Schäfer (CDU) bezeichnet das Modell als Erfolg: „Die Einführung ist ein Erfolgsmodell, weil es die Brücke für Asylbewerber in reguläre Arbeitsverhältnisse ist. Es stärkt die Akzeptanz, wenn unsere Bürger sehen, dass sich Asylbewerber nützlich machen.“

Weitere Städte ziehen nach

Salzgitter plant als erste Großstadt nach der Sommerpause ein eigenes Konzept. Peine in Niedersachsen startete bereits als erster westdeutscher Kreis: Dort können 150 Asylbewerber an Gemeinden und Träger vermittelt werden. Bisher wurden jedoch erst 13 Stellen gemeldet, 21 weitere stehen in Aussicht. Die Tätigkeiten umfassen Spenden sortieren oder Grünflächenpflege.

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