Hunderte gedenken am Brandenburger Tor nach CSD-Anschlag mit Todesopfer
Gedenken am Brandenburger Tor nach CSD-Anschlag

Zwei Tage nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) haben am Brandenburger Tor erneut Hunderte Menschen der Opfer gedacht. Über den Tag verteilt kamen zahlreiche Trauernde, um Blumen niederzulegen und ihrer Bestürzung Ausdruck zu verleihen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) berichtete.

Trauer und Solidarität in Berlin

Bereits am Sonntag hatte es einen Trauermarsch und eine Schweigeminute gegeben – Tausende waren dafür ans Brandenburger Tor gekommen. Die Stimmung unter den Teilnehmenden war geprägt von tiefer Trauer, aber auch von Entschlossenheit, sich nicht einschüchtern zu lassen. Viele trugen Regenbogenfahnen oder hielten Schilder mit Friedensbotschaften hoch.

Bei dem Terroranschlag am Samstagabend war eine polnische Mutter ums Leben gekommen, die gemeinsam mit ihrer Tochter in Berlin zu Besuch war. Die Frau erlag ihren Verletzungen noch am Tatort. Ihre Tochter überlebte den Anschlag körperlich unverletzt, steht jedoch unter psychologischer Betreuung. Insgesamt wurden 29 Menschen teils lebensgefährlich verletzt, nach Angaben der Behörden befinden sie sich inzwischen jedoch nicht mehr in einem kritischen Zustand.

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Hintergründe der Tat und Reaktionen

Der Fahrer eines Vans war am Samstagabend gezielt in eine Menschenmenge am Rande des CSD gefahren. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Hintergrund aus. Der Tatverdächtige, ein 30-jähriger Mann aus Saudi-Arabien, wurde festgenommen. Die Polizei prüft mögliche Verbindungen zu extremistischen Netzwerken.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich erschüttert: „Dieser Angriff auf queere Menschen und alle, die für Toleranz einstehen, ist ein Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft. Wir werden uns nicht spalten lassen.“ Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus und sicherte volle Aufklärung zu.

Bundesweite Anteilnahme

In vielen deutschen Städten fanden am Wochenende Mahnwachen und Solidaritätsbekundungen statt. In Köln, Hamburg und München versammelten sich ebenfalls Hunderte Menschen, um ihrer Trauer und Wut Ausdruck zu verleihen. Die Organisation des Berliner CSD rief dazu auf, die Veranstaltungen nicht absagen zu lassen, sondern gemeinsam ein Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen.

Die Polizei hat ihre Präsenz bei Großveranstaltungen in Berlin verstärkt. Der CSD selbst war nach dem Anschlag vorzeitig beendet worden. Die Veranstalter kündigten an, nächstes Jahr wieder zu feiern – „lauter, bunter und stärker als je zuvor“.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Der Tatverdächtige wird unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes in 29 Fällen verhört. Es wird auch geprüft, ob er Kontakte zu islamistischen Gruppierungen hatte. Nach dpa-Informationen war der Mann den Behörden bislang nicht als Extremist bekannt.

Unterdessen geht das Leben in Berlin weiter. Am Brandenburger Tor erinnern nun unzählige Blumen, Kerzen und persönliche Botschaften an die Tote und die Verletzten. Viele Trauernde verweilen noch lange, einige schweigen, andere weinen. Eine junge Frau sagte: „Ich bin heute hier, weil ich zeigen will, dass wir uns nicht verstecken. Wir sind viele, und wir haben keine Angst.“

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