Erneute Hitzewarnung: Rhein droht vielerorts historisches Rekordtief
Hitzewarnung: Rhein droht vielerorts Rekordtief

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt für Donnerstag erneut vor einer starken Wärmebelastung in Nordrhein-Westfalen. Mit Temperaturen bis zu 37 Grad und tropischen Nächten bleibt die Hitze extrem. Gleichzeitig sinken die Pegelstände des Rheins auf historische Tiefstwerte, was Schifffahrt und Wirtschaft belastet.

Hitze und Gewitter am Donnerstag

Ab Donnerstagnachmittag sind von Westen her Schauer und Gewitter mit Starkregen und schweren Sturmböen möglich. Vor allem im Osten NRWs drohen orkanartige Böen und Hagel. Die Gewitter bringen eine vorübergehende Abkühlung, auch die Nächte werden kühler.

Landesregierung stellt zusätzliche Mittel für Hitzeschutz bereit

Die Landesregierung stellt weitere 250.000 Euro für den Hitzeschutz von Obdach- und Wohnungslosen zur Verfügung, insgesamt 500.000 Euro in diesem Jahr. Initiativen können damit Sonnenschutzmittel und Wasserflaschen kaufen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte im WDR-„Morgenecho“, dass Krankenhäuser in NRW „in der Regel“ keine Klimaanlagen hätten. „Das kann man von heute auf morgen auch nicht ändern. Wir arbeiten daran, weil wir uns ja an diese Hitzewellen gewöhnen müssen.“ Ein Förderprogramm für die nächsten Jahre werde derzeit erarbeitet.

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Rheinpegel auf Rekordtief

Für die Schifffahrt auf dem Rhein spitzt sich die Lage zu. Moritz Axt, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass an diesem Samstag oder Sonntag an allen großen Pegelstationen in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände erwartet werden. In Köln werde der niedrigste Pegelstand seit mindestens 100 Jahren prognostiziert: 67 Zentimeter am Samstag, zwei Zentimeter unter dem bisherigen Rekord von 69 Zentimetern vom 23. Oktober 2018.

Am Pegel Düsseldorf werden am Samstag 21 Zentimeter erwartet, ebenfalls zwei Zentimeter weniger als der bisherige Tiefststand von 23 Zentimetern vom 23. Oktober 2018. In Duisburg-Ruhrort sinkt der Pegel voraussichtlich auf 148 Zentimeter – fünf Zentimeter unter dem bisherigen Minimum von 153 Zentimetern. Für Emmerich an der niederländischen Grenze wird sogar ein Negativwert von minus 3 Zentimetern am Sonntag vorhergesagt; der bisher niedrigste Wert lag bei minus 1 Zentimeter am 18. August 2022. Axt wies darauf hin, dass die Pegelstände nicht direkt vergleichbar seien, da es keinen einheitlichen Nullpunkt gebe.

Niedrigster Punkt noch nicht erreicht

Der tiefste Punkt des aktuellen Niedrigwassers sei möglicherweise am Samstag noch nicht erreicht, so Axt. „Die Tiefpunkte können danach noch leicht weiter fallen bis nächste Woche Mittwoch.“ In Düsseldorf könnten am Montag oder Dienstag 20 Zentimeter erreicht werden – ein Zentimeter weniger als am Samstag. Nach den historischen Tiefständen werde sich die Situation ohne viel Regen im Einzugsgebiet des Rheins nicht wesentlich ändern.

Die Fähren könnten relativ lang fahren, da sie flachwassergeeignet seien, sagte Axt. An einzelnen Fähranlegern werde gebaggert, um den Betrieb zu sichern. Für die Schifffahrt werde der Transport unwirtschaftlicher, je niedriger die Wasserstände seien, da die Schiffe weniger Ladung aufnehmen könnten. Eine behördliche Anordnung, nicht zu fahren, gebe es nicht; das sei eine unternehmerische Entscheidung.

Die Fahrrinne im Rhein sei deutlich tiefer als der Pegelstand Null am Ufer. In Duisburg-Ruhrort betrug am Mittwochmittag der Pegel 1,60 Meter, die Fahrrinne wies eine Tiefe von 2,13 Metern auf.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Das Niedrigwasser gefährdet die Rohstoffversorgung der Stahlindustrie, warnen die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) und der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler (VDM). Je nach Schiffstyp und Strecke könnten Binnenschiffe nur noch ein Drittel bis die Hälfte der üblichen Ladung transportieren. Frachtsätze auf einzelnen Verbindungen hätten sich bereits verdrei- bis vervierfacht. Hinzu kämen Kosten für Verzögerungen und Umplanungen.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde prognostiziert, dass das Niedrigwasser an den Bundeswasserstraßen in den kommenden Wochen Bestand haben wird. Die vorhergesagten Schauer wirkten sich nur gering aus, könnten aber kleinere Gewässer vorübergehend steigen lassen.

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