Bei einer Großrazzia gegen Schleuserkriminalität haben Ermittler in Bayern 15 Verdächtige festgenommen. Wie das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) mitteilte, durchsuchten die Beamten am Dienstagmorgen insgesamt 40 Objekte in mehreren bayerischen Städten und Landkreisen. Die Bande soll in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen illegal nach Deutschland gebracht haben.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Festnahmen sind das Ergebnis monatelanger Ermittlungen, die das BLKA gemeinsam mit der Bundespolizei und der Staatsanwaltschaft München I geführt hat. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, gegen hohe Geldbeträge Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika über die Balkanroute nach Deutschland geschleust zu haben. Die Schleuser sollen dabei die Migranten in Kleintransportern über die Grenze gebracht haben, oft unter lebensgefährlichen Bedingungen.
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um eine international agierende Bande, die ihre Aktivitäten von Bayern aus koordiniert haben soll. Die Beschuldigten im Alter zwischen 20 und 45 Jahren stammen überwiegend aus dem arabischen Raum und sind teilweise bereits wegen ähnlicher Delikte polizeibekannt.
Durchsuchungen und Beweismittel
Bei den Durchsuchungen in den Landkreisen Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg stellten die Einsatzkräfte umfangreiches Beweismaterial sicher. Darunter befinden sich Bargeld, Mobiltelefone, Laptops, gefälschte Dokumente sowie mehrere Fahrzeuge, die mutmaßlich für die Schleusungen verwendet wurden. Der Wert des sichergestellten Vermögens wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt.
Die Beamten wurden von Spezialeinheiten unterstützt, da einige der Durchsuchungsobjekte als möglicherweise gefährlich eingestuft wurden. Insgesamt waren rund 300 Einsatzkräfte im Einsatz. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.
Vorwürfe und Haftbefehle
Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen die 15 Festgenommenen Haftbefehle erlassen. Ihnen wird banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern vorgeworfen. Die Tatbestände sehen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bande mindestens 500 Menschen illegal eingeschleust hat. Der genaue Umfang werde derzeit noch ermittelt.
„Wir haben es hier mit einer professionell organisierten Bande zu tun, die aus Profitgier das Leben von Menschen riskiert hat“, sagte ein Sprecher des BLKA. „Die Festnahmen sind ein wichtiger Schlag gegen die Schleuserkriminalität in Bayern.“
Bedeutung für die Region
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich erfreut über den Erfolg der Ermittler. „Schleuserkriminalität ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Jeder festgenommene Schleuser ist ein Gewinn für die Sicherheit in unserem Land“, erklärte er. Er kündigte an, dass die bayerische Polizei weiterhin mit Hochdruck gegen Schleuserbanden vorgehen werde.
Die Ermittlungen dauern an. Die Beamten prüfen nun, ob es weitere Mittäter gibt und ob die Bande auch für andere Straftaten wie Urkundenfälschung oder Sozialbetrug verantwortlich ist. Die 15 Festgenommenen sollen im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.



