Die geplante Einführung der Teilkrankschreibung in Deutschland stößt in der Wirtschaft auf große Skepsis. Einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts zufolge hält fast die Hälfte der Unternehmen das neue Instrument für nicht sinnvoll. Nur etwa jedes vierte Unternehmen erwartet sich davon Vorteile.
Zwei von fünf Unternehmen lehnen Teilkrankschreibung ab
Das Münchner Ifo-Institut befragte gemeinsam mit dem Personaldienstleister Randstad Personalleiterinnen und Personalleiter deutscher Unternehmen. Das Ergebnis: 44 Prozent der Unternehmen sehen die Teilkrankschreibung kritisch, lediglich 26 Prozent halten sie für hilfreich. Weitere 25 Prozent stehen der Neuerung neutral gegenüber.
„Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig“, erläuterte Ifo-Forscher Jonas Hennrich. „Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand.“ Diese Bedenken spiegeln sich auch in der Erwartungshaltung wider: Die Hälfte der Unternehmen rechnet nicht mit „wesentlichen positiven“ Auswirkungen durch die Teilkrankschreibung.
Erhoffte Vorteile: kürzere Fehlzeiten und schnellere Rückkehr
Trotz der Skepsis gibt es auch Hoffnungen: Jeweils ein Drittel der Unternehmen erhofft sich durch die Teilkrankschreibung kürzere Fehlzeiten oder eine schnellere Rückkehr erkrankter Beschäftigter. 21 Prozent glauben, dass erkrankte Fachkräfte trotz gesundheitlicher Probleme länger im Beruf bleiben könnten. Und zwölf Prozent sehen Potenzial für eine flexiblere Personalplanung.
Die Teilkrankschreibung soll es Ärzten ermöglichen, bei länger andauernden Erkrankungen eine teilweise Arbeitsunfähigkeit festzustellen – und zwar in Stufen von 25, 50 oder 75 Prozent der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit. Betroffene Beschäftigte könnten dann ihre Arbeitszeit entsprechend reduzieren. Allerdings ist die Zustimmung des Arbeitgebers und des Versicherten erforderlich.
Umsetzung und Ausblick
Die Regelung ist Teil des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes und soll voraussichtlich 2025 in Kraft treten. Wie die Umfrage zeigt, stehen viele Unternehmen der praktischen Umsetzung jedoch skeptisch gegenüber. Die genaue Ausgestaltung der Teilkrankschreibung wird derzeit noch diskutiert.
Kritiker bemängeln unter anderem, dass die Abgrenzung zwischen teilweiser und voller Arbeitsunfähigkeit im Alltag schwer zu treffen sei. Auch der bürokratische Aufwand für die Betriebe könnte erheblich sein. Befürworter hingegen sehen in der Teilkrankschreibung eine Chance, Fehlzeiten zu reduzieren und den Wiedereinstieg nach Krankheit zu erleichtern.
Die Umfrage zeigt ein geteiltes Bild: Während einige Unternehmen pragmatische Vorteile erkennen, überwiegen bei anderen die organisatorischen Bedenken. Ob sich die Teilkrankschreibung in der Praxis bewähren wird, bleibt abzuwarten.



