Seit 40 Jahren bekämpft Sachsen die Versauerung seiner Waldböden mit einer Kalkung aus der Luft. Auch in diesem Sommer sind wieder Hubschrauber im Einsatz, um zwischen dem Vogtland und der Sächsischen Schweiz tonnenweise Kalk auf die Wälder zu streuen. Die Maßnahme, die 1986 begann, ist nach Angaben von Sachsenforst weiterhin nötig, um die Folgen jahrzehntelanger Luftverschmutzung zu mildern.
Warum die Waldböden sauer sind
Die sauren Böden in den sächsischen Mittelgebirgen sind eine direkte Folge der Industrieabgase, die über Jahrzehnte in die Luft gelangten. Schwefeldioxid und Stickoxide aus Kraftwerken und Fabriken senkten den pH-Wert des Bodens erheblich. „Die Bodenschutzkalkung ist nach wie vor nötig, um die Schäden der Vergangenheit in den sächsischen Wäldern zu beheben“, erklärte Landesforstpräsident Utz Hempfling. Durch die Kalkung wird der Boden neutralisiert und mit wichtigen Nährstoffen angereichert.
Ziele der Bodenschutzkalkung
Für die Kalkung sind konkrete Zielwerte festgelegt: Der pH-Wert soll in einer Tiefe von bis zu 30 Zentimetern auf 4,2 steigen, und die Nährstoffsättigung soll 15 Prozent erreichen. Diese Werte werden jedoch nur durch wiederholte Kalkungen erreicht. Betroffene Flächen werden frühestens nach zehn Jahren erneut behandelt. Pro Quadratmeter werden im Schnitt 300 Gramm Gesteinsmehl ausgebracht.
Einsatzgebiet 2026
Von Juli bis Oktober kalkt Sachsenforst in diesem Jahr rund 6.900 Hektar Wald in den Forstbezirken Adorf, Plauen, Eibenstock, Neudorf, Marienberg, Bärenfels sowie in der Sächsischen Schweiz. Der Großteil der Fläche ist Landeswald, aber auch 1.680 Hektar Privatwald, 180 Hektar Kommunalwald und 100 Hektar Kirchwald werden behandelt. Insgesamt werden knapp 21.000 Tonnen Magnesiumkalk verteilt, das aus einem Kalkwerk in der Oberpfalz stammt.
Kosten und Finanzierung
Die jährlichen Kosten der Bodenschutzkalkung liegen im Millionenbereich. Im Vorjahr wurden 2,9 Millionen Euro aus EU-Mitteln für die Kalkung von 5.860 Hektar Wald aufgewendet. Die Kosten für die diesjährige Aktion sind noch nicht abschließend beziffert, liegen aber in ähnlicher Größenordnung.
Sicherheitshinweise für Waldbesucher
Während der Hubschraubereinsätze dürfen die betroffenen Waldflächen aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Die Sperrzeiten werden unter anderem im Internet bekannt gegeben. Der verteilte Kalk ist laut Sachsenforst für Menschen und Tiere gesundheitlich unbedenklich. Wer dennoch Spuren des Gesteinsmehls auf Beeren, Pilzen oder anderen Pflanzen findet, sollte diese vor dem Verzehr mit Wasser abspülen.



