Asbest, Hitze, Sauerstoffnot: Angler kämpfen um ihren See
Asbest, Hitze, Sauerstoffnot: Angler kämpfen um See

Ein Angelverein im Taunus kämpft nach einem Asbestfund und einem drastisch gesunkenen Wasserstand um die Rettung seines Sees. Rund 8.000 bis 9.000 Kubikmeter Wasser mussten abgelassen werden, um den gefährlichen Bauschutt zu entfernen. In der Sommerhitze sorgt das für akuten Sauerstoffmangel, bereits ein Dutzend Hechte ist verendet.

Asbestmüll im See entdeckt

Als Vereinsmitglieder an einem Sonntagmorgen zum Angeln an den Beuerbacher See kommen, entdecken sie merkwürdigen Müll im Wasser. Steine, Schindeln und Folienreste liegen klein gehackt am flachen Ufer verteilt. Schnell wird klar: Der Abfall ist asbesthaltig, eine Spezialfirma muss her.

Wenige Wochen später folgt der noch größere Schock: Über Nacht laden Unbekannte noch einmal die zehnfache Menge des gefährlichen Bauschutts am See ab. Eine Katastrophe für den Angelverein Beuerbach, wie der Vereinsvorsitzende Markus Kaczmarek berichtet.

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Wasserstand drastisch gesenkt

Für die Reinigung des Sees musste rund ein Fünftel des Wassers abgelassen werden. "Es fehlen rund 8.000 bis 9.000 Kubikmeter", sagt Kaczmarek. Das entspricht mehreren zehntausend Badewannen-Füllungen. In dem heißen Sommer sorgt der niedrige Wasserstand für enorme Probleme, denn der Sauerstoff wird knapp.

Je flacher ein Gewässer, desto stärker steigt bei Sommerhitze die Wassertemperatur. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff binden als kühleres. Vor allem für große Raubfische wie Hechte wird das lebensbedrohlich – im Beuerbacher See sind schon rund ein Dutzend Exemplare verendet. Die beiden Bäche, die den See speisen, sind nahezu komplett ausgetrocknet.

Ehrenamtliche retten Fische

Um ein großes Fischsterben abzuwenden, haben viele Ehrenamtliche die Ärmel hochgekrempelt. Die Nachbargemeinde Hohenstein hat ein Stromaggregat, einen Kompressor und einen Oberflächenbelüfter ausgeliehen. Mit vereinten Kräften wurden die schweren Geräte ans Vereinsheim und ins Wasser gebracht. "Der Sauerstoffgehalt ist inzwischen wieder auf einem ausreichenden Niveau", sagt Kaczmarek.

Der Stromgenerator wird vom Verein über Nacht angestellt und verbraucht dann etwa 30 Liter Diesel. Die Kosten stemmt der Verein aus Eigenmitteln, zudem hilft die Gemeinde und ein Spendenaufruf stieß auf große Resonanz. Jeden Abend und jeden Morgen schaut ein Vereinsmitglied am See vorbei und kümmert sich um den Betrieb der Belüftungsanlage, die mitten auf dem See schwimmt.

Hessenweite Probleme durch Hitze

Gewässerexperte Karl Schwebel, Vizepräsident des Verbandes hessischer Fischer, berichtet von mehreren Teichen in Not. Flächendeckendes Problem seien die hohen Temperaturen in flachen Seen von eineinhalb bis zwei Metern Tiefe. "Es ist einfach zu warm", sagt er. Wegen Hitzestress seien schon an einigen Seen Fische verendet, darunter große Hechte.

Für das Ökosystem sei ein gutes Verhältnis von Raubfischen zu den übrigen Fischarten wichtig, erläutert Schwebel. Fehlten die Räuber, könnten sich beispielsweise Rotaugen stark vermehren oder kranke Fische würden nicht gefressen. Unter den toten Hechten seien viele weibliche Tiere, die für die Reproduktion fehlten. Schwebel hat sich selbst ein Bild gemacht: "So etwas habe ich noch nie gesehen. Da steckt ja kriminelle Energie dahinter."

Anteilnahme im Dorf groß

Am See ist die Anteilnahme auch Wochen nach dem Vorfall groß. "Geht es den Fischen wieder gut?", fragt eine Radfahrerin. Eine Hundebesitzerin will wissen: "Haben sie den erwischt?" Der Umweltsünder ist nach wie vor unbekannt. "Ich gehe nicht davon aus, dass es etwas Persönliches ist und mit dem Verein zu tun hat", sagt Kaczmarek, "auch wenn es durchaus manchmal Ärger mit Schwarzanglern gab."

Der Vereinsvorsitzende kann sich schwer vorstellen, dass Einheimische das Erholungsgebiet vermüllen. Der See wird nicht nur von Anglern besucht, sondern auch von Spaziergängern, Radfahrern und Hundebesitzern. Jugendliche treffen sich an Bänken am Ufer. Die Angler fragen sich, wie ein Fremder auf den versteckt im Wald liegenden See aufmerksam wird. Nach einer Anzeige des Vereins ermittelt die Polizei wegen Umweltkriminalität.

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Langfristige Lösungen gesucht

"Insgesamt haben wir eher wenig Probleme mit illegalem Müll", berichtet Kaczmarek. Mit Hilfe des Stromaggregats und des Belüfters ist die Lage am See stabil – aber auf Dauer kann es so nicht weitergehen. Der Verein sucht nach Lösungen, etwa für einen eigenen Belüfter, der über Solarstrom betrieben wird.