Das Knattern der Hubschrauber ist unüberhörbar, dichter Rauch zieht ins Tal: In den Chiemgauer Alpen hat ein Bergwald Feuer gefangen. Seit Mittwochabend kämpfen mehr als 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdienst und Polizei gegen die Flammen am Gipfelbereich der Hochwand nahe der Lackenbergwand bei Unterwössen (Landkreis Traunstein). Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung am Morgen gewarnt, Fenster und Türen geschlossen zu halten, Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten und das Einsatzgebiet zu meiden.
Unwegsames Gelände erschwert Löscharbeiten
Die Bekämpfung des Brandes gestaltet sich äußerst schwierig. „Die Vegetationsbrandbekämpfung im Bergwald ist sehr schwierig“, erläuterte ein Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. „Das ist nicht wie ein Feld zu sehen, das 100 Meter lang und 60 Meter breit ist und dann habe ich 6000 Quadratmeter. Da geht es nach oben und unten, nach hinten und vorne.“ Die Einsatzkräfte setzen daher auf eine Kombination aus bodengebundenen Maßnahmen und Luftunterstützung. Drei Löschhubschrauber sind im Einsatz, die Wasser aus einem Talbereich aufnehmen und über der Brandstelle abwerfen. Da es kein größeres Gewässer in unmittelbarer Nähe gibt, befüllt die Feuerwehr die Behälter in Minutenschnelle mit Schläuchen, während die Hubschrauber über einem Feld in der Luft stehen.
Drohnen mit Wärmebildtechnik im Einsatz
Um das genaue Ausmaß des Brandes zu ermitteln, kommen Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz. Sie sollen systematisch alle Wärmequellen am Berg erfassen. Allerdings müssen die Drohnenflüge mit den Helikoptereinsätzen koordiniert werden, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Die genaue Brandfläche war auch am Donnerstagmittag noch unklar. Die Feuerwehr konzentriert sich zunächst darauf, eine Ausbreitung zu verhindern. In der ersten Nacht hat sich das Feuer bereits talwärts ausgebreitet. „Man hat gestern Abend und in den Nachtstunden begonnen, lange Schlauchstrecken aufzubauen und alle paar Meter sogenannte Kreisregner aufzubauen“, schilderte der Sprecher. „Das kann man sich vorstellen wie einen großen Gartensprinkler. Damit wird der Bereich, der nicht vom Brand betroffen ist, bewässert, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.“ Parallel dazu wurde ein Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen eingerichtet.
Erinnerungen an den Brand am Saurüsselkopf
Die Situation erinnert an ein Feuer am nicht weit entfernten Saurüsselkopf nahe Ruhpolding im Mai. Die Verhältnisse seien ähnlich gewesen, so der Feuerwehrsprecher. Auch damals breitete sich der Brand aus und war extrem schwer zu bekämpfen – erst nach einem Monat wurde der Einsatz für beendet erklärt. Beim aktuellen Brand an der Hochwand blieb die Ursache zunächst unklar. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.
Straßensperrungen und Anwohnerreaktionen
Wegen der Löscharbeiten ist die Bundesstraße 305 sowohl in Richtung Reit im Winkl als auch in Richtung Marquartstein gesperrt. Die Anwohner zeigen sich betroffen, aber zuversichtlich. „Es ist ganz schön schockierend, muss ich sagen. Weil mit sowas rechnet man natürlich nicht, dass sowas irgendwann mal vorkommen kann“, sagte eine Bürgerin. „Aber die Kräfte vor Ort sind super. Direkt Angst werden wir nicht haben brauchen, weil die wirklich tüchtig sind und ihre Arbeit gut machen.“ Die Einsatzkräfte arbeiten unter Hochdruck, um den Brand einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Der Einsatz wird voraussichtlich noch mehrere Tage andauern.



