Deutschland erlebt derzeit eine außergewöhnliche Dürre. Der Oktober 2024 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der trockenste Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Mit durchschnittlich nur 5 Litern pro Quadratmeter fiel bundesweit so wenig Regen wie nie zuvor in einem Oktober. Meteorologen sehen die Ursache in einer stabilen Hochdrucklage, die feuchte Luftmassen fernhält. Diese Wetterlage könnte noch Wochen anhalten und die Trockenheit weiter verschärfen.
Rekordtrockenheit: Zahlen und Fakten
Der DWD registrierte im Oktober lediglich 5 Liter Regen pro Quadratmeter – das entspricht nur etwa 10 Prozent des langjährigen Monatsmittels von rund 50 Litern. In einigen Regionen, etwa in Teilen Bayerns und Sachsen, fiel sogar überhaupt kein messbarer Niederschlag. Der bisherige Rekordhalter war der Oktober 1964 mit 9 Litern pro Quadratmeter. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der aktuellen Trockenheit.
Ursachen: Hochdruckzone blockiert Regen
Verantwortlich für die Trockenheit ist eine außergewöhnlich stabile Hochdruckzone über Mitteleuropa. Diese blockiert Tiefdruckgebiete und verhindert den Zustrom feuchter Luftmassen aus dem Atlantik. Nach Angaben des DWD liegt diese Hochdrucklage seit mehreren Wochen und hat sich über Deutschland festgesetzt. „Die Wetterlage ist extrem stabil, wir erwarten bis mindestens Mitte November keine nennenswerten Niederschläge“, sagt Meteorologe Andreas Friedrich vom DWD. Ähnliche Wetterlagen gab es in den Dürrejahren 2018 und 2022, jedoch nicht in dieser Intensität im Herbst.
Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft
Die anhaltende Trockenheit hat bereits jetzt spürbare Folgen. Flüsse und Seen führen wenig Wasser, die Pegelstände sinken. Besonders betroffen sind der Rhein und die Elbe, wo die Schifffahrt bereits Einschränkungen hinnehmen muss. In der Landwirtschaft drohen Ernteausfälle bei Wintergetreide und Raps, da die Böden zu trocken sind. Zudem steigt die Waldbrandgefahr, insbesondere in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Deutsche Bauernverband warnt vor wirtschaftlichen Schäden in Millionenhöhe, falls die Trockenheit anhält.
Klimawandel als Verstärker
Klimaforscher sehen einen klaren Zusammenhang zwischen der zunehmenden Häufigkeit solcher Dürreperioden und dem Klimawandel. „Durch die Erderwärmung werden Wetterextreme wie Dürren wahrscheinlicher und intensiver“, erklärt Prof. Dr. Michael Staudinger, Klimaexperte an der Universität Hamburg. Die aktuellen Messdaten passten in ein Muster, das seit den 2000er Jahren zu beobachten sei: längere Trockenperioden im Sommer und Herbst. Der DWD bestätigt, dass die Zahl der Dürremonate seit 2000 deutlich zugenommen hat.
Wasserreserven und Grundwasser
Besonders besorgniserregend ist die Lage beim Grundwasser. In vielen Regionen sinken die Grundwasserspiegel, da der fehlende Regen nicht ausreicht, um die Reserven aufzufüllen. Das Umweltbundesamt meldet, dass in einigen Gebieten der Grundwasserstand den niedrigsten Wert seit 50 Jahren erreicht hat. Kommunen prüfen bereits Einschränkungen für die Wasserentnahme aus Brunnen und Flüssen. Langfristig könnte die Wasserknappheit zu Konflikten um die Ressource führen, warnen Experten.
Wetteraussichten: Bleibt es trocken?
Die Aussichten sind wenig erfreulich: Der DWD erwartet für die kommenden zwei Wochen weiterhin überwiegend trockenes Wetter mit viel Sonnenschein. Temperaturen um 10 bis 15 Grad, aber kaum Regen. Erst Ende November könnte sich die Wetterlage umstellen, wenn Tiefdruckgebiete aus dem Atlantik durchkommen. Bis dahin bleibt die Trockenheit bestehen. Die Behörden raten, Wasser sparsam zu verwenden und offenes Feuer in Wäldern zu vermeiden.
Was bedeutet das für den Winter?
Die Trockenheit im Herbst hat auch Auswirkungen auf den Winter. Fehlt die Bodenfeuchtigkeit, kann es im Frühjahr zu Problemen bei der Aussaat kommen. Zudem ist die Gefahr von Dürren im nächsten Jahr höher, wenn die Grundwasserspeicher nicht aufgefüllt werden. Meteorologen betonen jedoch, dass ein trockener Oktober nicht zwangsläufig einen trockenen Winter bedeutet. Entscheidend sei, wie viel Niederschlag in den kommenden Monaten fällt. Die Hoffnung ruht auf kräftigen Regenfällen im Winter.



