Westlich von Bordeaux haben die Waldbrände ein seltenes Wetterphänomen erzeugt: Feuerwolken, die bis in die Stratosphäre reichen. Solche Pyrocumulonimbus, bisher nur von Vulkanausbrüchen oder Riesenbränden in Australien und Kanada bekannt, gab es in Frankreich noch nie. Die Feuerwehr stand vor einer Aufgabe, die mit herkömmlichen Mitteln kaum zu bewältigen war.
Zwischenzeitlich kämpften knapp 6000 Einsatzkräfte gegen die Flammen. Mehr als 220.000 Menschen mussten die Urlaubsregion an der Atlantikküste verlassen, als das Feuer bis auf 15 Kilometer an die 300.000-Einwohner-Stadt Bordeaux heranrückte. Nach Angaben der französischen Regierung ist der große Waldbrand an der Atlantikküste inzwischen unter Kontrolle. Eingesetzt waren rund 3000 Feuerwehrleute, 1500 Soldaten, 1440 Polizeikräfte und 18 Löschflugzeuge. An vielen Stellen wurden Wälder gerodet, um die Ausbreitung zu stoppen. Zehntausende Anwohner und Urlauber durften zurückkehren.
Feuergewitter: Ein Teufelskreis aus Hitze und Blitzen
Wie entstehen solche Feuerwolken? Die enorme Hitze des Feuers lässt Luft, Rauch und Wasserdampf in große Höhen steigen. Dort kühlt das Gemisch ab und formt Wolken, die im Extremfall eigene Gewitter mit Wind- und Blitzsystemen bilden. Fallwinde mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde und plötzliche Windwechsel machen Löschversuche fast unmöglich. Blitze können kilometerweit entfernt neue Brände auslösen. In der Region Bordeaux gab es mindestens zwei solcher Pyrocumulonimbus, wie die Behörden mitteilen. Das zweite Feuergewitter habe durch einen Blitzeinschlag nördlich von Bordeaux einen weiteren Waldbrand entfacht.
Zombiefeuer: Die unsichtbare Gefahr im Torfboden
Auch wenn das Feuer an der Oberfläche gelöscht scheint, bereiten sich Feuerwehr und Förster auf sogenannte Zombiefeuer vor. Diese schwelen unter der Erde im trockenen Torfboden, der aus abgestorbenen Pflanzenteilen besteht – ideales Brennmaterial für Glut, die erst durch Wind und Trockenheit wieder angefacht wird. Vor vier Jahren, im Jahr 2022, gab es in der Region bereits einen Großbrand. Die letzten Zombiefeuer wurden damals erst zwei Jahre später gelöscht. „Diese schwelenden Feuer tauchen plötzlich auf, ohne Muster“, sagt ein Kommandant der regionalen Feuerwehr. Die Feuerwehrleute hätten damals Stück für Stück Asche und Erde abgetragen, um die Glut tief im Boden zu finden.
Warum Löschmethoden versagen
Bei so extremen Bränden stoßen klassische Taktiken an ihre Grenzen. Die Financial Times zitiert einen leitenden Feuerwehrmann: „Herkömmliche Löschmethoden wie das Ausheben von Gräben, das Schlagen von Schneisen oder das Legen von taktischen Gegenfeuern reichen nicht aus, um solche Brände zu bekämpfen. Man kann einen Hurrikan nicht aufhalten. Man kann nur versuchen, Menschenleben und Eigentum zu schützen.“ In Bordeaux konnte die Feuerwehr die Brände letztlich nur mit Hilfe unerwarteter Regenfälle eindämmen.
Der feuchte Winter als Brandbeschleuniger
Ironischerweise ist der viele Regen vom Januar und Februar mitverantwortlich für die heftige Brandsaison. Die Überschwemmungen ließen Gräser, Sträucher und Unterholz im Frühjahr üppig wachsen. Die anschließenden Hitzewellen trockneten diese Vegetation aus, wie die Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom Schweizerischen WSL-Institut erklärt: „Jede weitere Hitzewelle macht die Situation schlimmer. Die Sonne saugt Boden und Pflanzen mit einem Strohhalm die Feuchtigkeit raus.“ In der trockenen Vegetation können sich Flammen besonders schnell ausbreiten.
Zudem nahmen die Ermittler landesweit 184 Tatverdächtige im Zusammenhang mit Brandstiftung fest. Für Bordeaux hofft die Regionalverwaltung, dass das Schlimmste überstanden ist. Doch die Wettervorhersage verspricht keine Entwarnung: Am Sonntag werden erneut bis zu 37 Grad erwartet, erst am kommenden Wochenende soll es kühler werden. Auch andernorts in Frankreich wüten neue Brände – südlich von Paris, bei Marseille und in Burgund.



