Feuerwolke in Südfrankreich: Ein bisher unbekanntes Phänomen
Im Südwesten Frankreichs hat sich aufgrund der verheerenden Waldbrände eine sogenannte Feuerwolke gebildet, ein Pyrocumulonimbus. Dieses Naturphänomen, das bislang vor allem aus den USA und Australien bekannt war, tritt erstmals in Frankreich auf. Der Premierminister Sébastien Lecornu teilte auf der Plattform X mit, dass allein in Frankreich bereits 116.085 Hektar Land verbrannt seien. Seit Januar wurden im Land insgesamt 13.566 Brände registriert. Die Lage ist extrem angespannt: Hunderttausende Menschen mussten evakuiert werden, darunter Zehntausende von der Halbinsel Lege-Cap-Ferret.
Eigenes Wettersystem erschwert die Löscharbeiten
Ein Pyrocumulonimbus entsteht, wenn bodennahe Luft durch die Hitze des Feuers stark erhitzt wird und zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre aufsteigt. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und entwickelt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen. Aus der Wolke schießen Blitze, die laut einem Fachartikel von „National Geographic“ teilweise über 30 Kilometer vom ursprünglichen Brandherd entfernt einschlagen und neue Brände auslösen können. Die Wolke hat zudem eine gräuliche oder braune Farbe und wird von der Nasa als „feuerspeiender Drache“ bezeichnet.
Eric Brocardi, Sprecher des französischen Feuerwehrverbands, beschrieb die Lage als „David-gegen-Goliath-Szenario“. Die Feuerwehr könne die Wolke nicht kontrollieren, da die Winde ständig die Richtung wechseln. „Die Folge ist, dass es sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht“, erklärte Brocardi. Die Einsatzkräfte hoffen auf eine „Schwachstelle“, um ansetzen zu können.
Gesundheitsrisiken und unberechenbare Ausbreitung
Feuerwolken haben nicht nur zerstörerische Kraft, sondern auch gesundheitliche Folgen. Der zusätzliche Rauch belastet die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System. Zudem können sich aus den Feuerwolken sogenannte Feuertornados entwickeln, die kilometerhohe brennende Säulen mit Tornadowindstärke darstellen. Laut „Spektrum der Wissenschaft“ sind sie praktisch nicht vorhersehbar und extrem gefährlich.
Die Waldbrände in Südeuropa haben auch Italien, Spanien und Portugal erfasst. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht: Der Wetterdienst warnt vor einer weiteren Hitzewelle, die die Trockenheit verschärfen wird.
Mögliche Szenarien für die Feuerwehr
Eric Brocardi skizzierte zwei mögliche Ausgänge: Entweder es regnet ergiebig – „wobei es drei Tage lang heftig schütten müsste“ – oder die Feuerwehr findet einen Weg, das Feuer an einen Ort zu lenken, an dem es von selbst erlischt, zum Beispiel ans Meer. Angesichts der angekündigten Hitzewelle ist Regen jedoch unwahrscheinlich. „Wir müssen anerkennen, dass sich diese Naturgewalt unserer Kontrolle entzieht. Es ist ein kriegsähnliches Szenario, bei dem wir ständig unter Beschuss sind und uns alle in Sicherheit bringen müssen“, sagte Brocardi. Die Feuerwehr könne sich dann nur noch zurückziehen und strategisch wichtige Punkte verteidigen sowie Tiere in Sicherheit bringen. Er appellierte an „Stoizismus“.



