Beim Großbrand in Türkheim am vergangenen Donnerstag sind erhebliche Mengen an Schadstoffen freigesetzt worden. Die Rauchwolke zog über weite Teile der Region und sorgte bei Anwohnern für Besorgnis. Die Behörden haben nun erste Messergebnisse veröffentlicht und warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken.
Was ist passiert?
Am Donnerstagnachmittag brach in einer Lagerhalle in Türkheim ein Feuer aus. Die Halle, in der unter anderem Kunststoffe und Chemikalien gelagert wurden, brannte vollständig aus. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, konnte jedoch nicht verhindern, dass eine dichte Rauchwolke über die Stadt zog.
Die Brandursache ist noch unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen berichten von einer explosionsartigen Entwicklung des Feuers. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.
Welche Schadstoffe wurden gemessen?
Messungen des Umweltamts ergaben, dass in der Rauchwolke erhöhte Konzentrationen von Feinstaub, Kohlenmonoxid und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) enthalten waren. Zudem wurden Spuren von Dioxinen nachgewiesen, die bei der Verbrennung von Kunststoffen entstehen können.
„Die Werte lagen zeitweise über den Grenzwerten, aber eine akute Gesundheitsgefahr bestand für die Bevölkerung nicht“, sagte ein Sprecher des Landratsamts Unterallgäu. Die Messstationen in der Umgebung hätten aber erhöhte Werte registriert, die insbesondere für empfindliche Personen wie Kinder, ältere Menschen und Atemwegserkrankte relevant sein könnten.
Auswirkungen auf die Bevölkerung
Die Behörden empfahlen Anwohnern, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Klimaanlagen auszuschalten. Für die Region wurde vorsorglich eine Warnung über das Modulare Warnsystem (MoWaS) ausgegeben. Diese Warnung wurde inzwischen wieder aufgehoben, da die Schadstoffkonzentrationen sinken.
Landrat Alex Eder (CSU) zeigte sich erleichtert: „Es ist glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen. Die schnelle Reaktion der Einsatzkräfte hat Schlimmeres verhindert.“ Er dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz.
Umweltschäden und Entsorgung
Durch den Brand sind erhebliche Umweltschäden entstanden. Das Löschwasser, das mit Schadstoffen kontaminiert ist, muss aufwendig entsorgt werden. Zudem sind die Trümmer der Halle mit Schadstoffen belastet und müssen fachgerecht abgetragen werden.
Die Höhe des Sachschadens wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Die Versicherung des Unternehmens hat bereits einen Gutachter beauftragt. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich mehrere Wochen dauern.
Reaktionen aus der Politik
Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) kündigte an, die Messergebnisse genau zu prüfen. „Wir müssen sicherstellen, dass solche Vorfälle künftig verhindert werden. Die Sicherheitsvorschriften für Lagerhallen müssen überdacht werden“, sagte er. Auch der Bundestagsabgeordnete der Region forderte eine Verschärfung der Auflagen für den Umgang mit Gefahrstoffen.
Die Gemeinde Türkheim will eine Informationsveranstaltung für betroffene Anwohner organisieren. Dort sollen die Messergebnisse detailliert erläutert und Fragen beantwortet werden.



