Beim Großbrand in einer Lagerhalle in Türkheim am vergangenen Donnerstag sind erhebliche Mengen an Schadstoffen freigesetzt worden. Das ergaben Messungen des Umweltinstituts, die am Montag veröffentlicht wurden. Die Rauchwolke, die über der Stadt stand, enthielt unter anderem Feinstaub, Kohlenmonoxid und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Die Werte lagen zeitweise deutlich über den Grenzwerten, jedoch bestand nach Einschätzung der Behörden keine akute Gefahr für die Bevölkerung.
Messungen und erste Ergebnisse
Das Landesamt für Umwelt hatte unmittelbar nach dem Brand mehrere Messstationen in der Umgebung aufgestellt. Die Auswertung der Proben zeigt, dass die Konzentration von Feinstaub (PM10) in der Nacht nach dem Brand auf bis zu 350 Mikrogramm pro Kubikmeter anstieg – das Dreifache des Tagesgrenzwerts von 50 Mikrogramm. Auch die Werte für Kohlenmonoxid lagen zeitweise über der zulässigen Höhe. Die Belastung mit PAK, die als krebserregend gelten, war ebenfalls erhöht.
„Die Messergebnisse sind ernst zu nehmen, aber wir haben keine Hinweise auf eine akute Gesundheitsgefahr“, sagte der Leiter des Umweltinstituts, Dr. Markus Weber, auf einer Pressekonferenz. „Die Schadstoffe haben sich schnell verdünnt, und die Windverhältnisse haben dazu beigetragen, dass die Belastung nur lokal und zeitlich begrenzt auftrat.“
Brandursache und Verlauf
Das Feuer war am Donnerstagnachmittag aus bisher ungeklärter Ursache in einer Lagerhalle eines Recyclingbetriebs ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen. Die Halle brannte vollständig aus, verletzt wurde niemand. Der Sachschaden wird auf mehrere Millionen Euro geschätzt.
Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Ein technischer Defekt wird ebenso geprüft wie Brandstiftung. Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich zu melden.
Auswirkungen auf die Bevölkerung
Die Behörden hatten die Anwohner zunächst aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungsanlagen abzuschalten. Diese Empfehlung wurde inzwischen aufgehoben, da die Messwerte wieder im Normalbereich liegen. Die Aufräumarbeiten an der Brandstelle dauern an, dabei wird weiterhin Staub aufgewirbelt. Das Umweltinstitut wird die Luftqualität in den nächsten Tagen weiter überwachen.
Bürgermeister Christian Kähler dankte den Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Einsatz. „Die Feuerwehr hat Schlimmeres verhindert“, sagte er. „Wir werden die Aufarbeitung des Brandes intensiv begleiten und die Bürgerinnen und Bürger transparent informieren.“
Umweltauswirkungen und Entsorgung
Ein Teil der Schadstoffe könnte in den Boden und das Grundwasser gelangt sein. Das Umweltinstitut hat Bodenproben entnommen, die nun im Labor untersucht werden. Die Ergebnisse werden in einigen Wochen erwartet. Sollten Belastungen festgestellt werden, muss der Boden möglicherweise ausgetauscht werden. Die Entsorgung der Brandreste wird fachgerecht durchgeführt.
Der Vorfall wirft auch Fragen zur Lagerung von Recyclingmaterialien auf. Umweltschützer fordern strengere Auflagen für solche Betriebe. „Es darf nicht sein, dass bei einem Brand solche Mengen an Giftstoffen freigesetzt werden“, sagt die Vorsitzende des örtlichen Umweltverbands, Petra Lang. „Wir brauchen bessere Brandschutzmaßnahmen und eine stärkere Kontrolle der Lagerstätten.“
Reaktionen und Konsequenzen
Der Landrat des Unterallgäus, Hans-Joachim Weirather, kündigte an, dass die Behörden die Sicherheitsvorschriften für Recyclinghöfe überprüfen werden. „Wir müssen verhindern, dass sich solche Vorfälle wiederholen“, sagte er. Die Stadt Türkheim wird eine Informationsveranstaltung für die Bürger anbieten, bei der die Messergebnisse und mögliche gesundheitliche Auswirkungen erläutert werden.
Die Messstationen bleiben vorerst aufgestellt, um die Luftqualität auch während der Aufräumarbeiten zu überwachen. Die Ergebnisse werden auf der Website des Landratsamts veröffentlicht.



