Die Grundwasserstände in Baden-Württemberg sind wegen der anhaltenden Trockenheit vielerorts extrem niedrig. Wie die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mitteilt, liegen die Messwerte an zahlreichen Grundwassermessstellen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen sind der Kraichgau, Oberschwaben und Teile des Rheintals. In einigen Brunnen wurde der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.
Ursachen und aktuelle Lage
Die Gründe für die niedrigen Grundwasserstände sind vielfältig. Ausschlaggebend sind die unterdurchschnittlichen Niederschläge der vergangenen Jahre sowie die hohen Temperaturen, die die Verdunstung erhöhen. Die Grundwasserneubildung, also die Versickerung von Regenwasser in den Boden, bleibt deutlich hinter dem Mittelwert zurück. Laut LUBW lag die Neubildung im Jahr 2022 etwa 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die aktuellen Messungen zeigen, dass sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft hat. Während im Herbst 2022 noch leichte Erholungen zu verzeichnen waren, sind die Stände nun wieder gefallen. Besonders kritisch ist die Lage in Regionen mit intensiver Landwirtschaft, wo der Wasserbedarf für Bewässerung hoch ist. Auch die öffentliche Wasserversorgung ist betroffen, da viele Gemeinden auf Grundwasser angewiesen sind.
Auswirkungen auf Natur und Menschen
Die niedrigen Grundwasserstände haben weitreichende Folgen. In Feuchtgebieten trocknen Biotope aus, was den Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Bäume, insbesondere in städtischen Gebieten, leiden unter Trockenstress und werden anfälliger für Schädlinge. Landwirte müssen ihre Felder häufiger bewässern, was zusätzlich Wasser verbraucht und die Kosten erhöht.
Für die Trinkwasserversorgung bedeutet die Lage eine Herausforderung. Zwar sei die Versorgung derzeit noch gesichert, so das Umweltministerium, doch langfristig müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die Ressource zu schützen. Dazu gehören eine effizientere Nutzung von Wasser, der Ausbau von Zisternen zur Regenwassernutzung und die Renaturierung von Flussauen, um die Grundwasserneubildung zu fördern.
Experten fordern nachhaltiges Wassermanagement
Hydrologen und Umweltverbände fordern ein Umdenken im Umgang mit Wasser. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Trockenperioden häufiger und länger werden“, sagt Professor Markus Weiler von der Universität Freiburg. „Ein nachhaltiges Wassermanagement ist unerlässlich, um die Grundwasserreserven zu schützen.“ Dazu gehören auch Anpassungen in der Landwirtschaft, etwa der Anbau trockenresistenterer Pflanzen.
Die LUBW betont, dass die Grundwasserstände sich nur langsam erholen, selbst wenn es in den kommenden Monaten überdurchschnittlich viel regnen sollte. Die Neubildung dauere Jahre, bis sie sich in den tiefen Schichten bemerkbar mache. Daher sei es wichtig, jetzt zu handeln, um zukünftige Engpässe zu vermeiden.
Blick in die Zukunft
Die Prognosen sind nicht ermutigend: Klimamodelle sagen für Süddeutschland weitere trockene Sommer voraus. Die Landesregierung hat bereits einen „Masterplan Wasser“ angekündigt, der Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung bündeln soll. Dazu zählen unter anderem der Bau von Verbundleitungen zwischen Wasserversorgern und die Förderung von Wassersparmaßnahmen in Haushalten und Industrie.
Bis es so weit ist, appellieren die Behörden an die Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. Das Gießen von Gärten sollte auf den frühen Morgen oder späten Abend verlegt werden, um Verdunstung zu vermeiden. Auch das Sammeln von Regenwasser in Tonnen wird empfohlen. Jeder Einzelne könne dazu beitragen, die kostbare Ressource zu schonen.



