Ein American Bully XL hat im Januar in Lohne (Niedersachsen) seinen 33-jährigen Halter getötet. Die Rechtsmedizin bestätigte, dass die Bissverletzungen des Hundes die Todesursache waren. Trotz der tödlichen Attacke könnte das Tier weiterleben, da in Deutschland selbst nach solchen Vorfällen nicht automatisch eingeschläfert wird.
Der Hund namens „Sam“ sitzt seit dem 12. Januar isoliert im Tierheim. Er zeigt dort laut Behörden bisher keine Aggression. Medizinische Untersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten wie neurologische Schäden oder Erkrankungen, die sein Verhalten erklären könnten. Die Polizei hatte zunächst fälschlich von einer Amerikanischen Bulldogge gesprochen; inzwischen wurde die Rasse offiziell als American Bully XL identifiziert.
Bevor über eine Euthanasie entschieden wird, ist ein amtliches Gutachten erforderlich. Dieses prüft unter anderem, ob die Bisswunden Vitalreaktionen zeigen und ob der Hund vor dem Tod zugebissen hat. Zudem wird die Ursache der Attacke untersucht, etwa Schmerzen, Krankheit oder Fehlbindung. Das ambivalente Verhalten am Tatort – „Sam“ attackierte Rettungskräfte, ließ sich aber von einer vertrauten Person sichern – wird als Ressourcenverteidigung gedeutet.
Der Fall erinnert an den „Chico“-Fall von 2018, als fast 300.000 Menschen für das Weiterleben eines tödlich attackierenden Hundes protestierten. Seitdem sind Behörden vorsichtiger geworden. Verwaltungsgerichte kippen regelmäßig Tötungsanordnungen, wenn medizinische Ursachen nicht geprüft wurden. Besteht „Sam“ die amtlichen Routinen, kann er unter Auflagen wie Maulkorb- und Leinenzwang weiterleben. Andernfalls folgen teure Fachgutachten, und selbst dann ist eine Tötung nicht sicher.
Für viele Hunde endet der Fall in jahrelanger Isolation in Tierheimen, was Kosten von rund 25 Euro pro Tag verursacht. Bei sieben Jahren Verwahrung summiert sich das auf etwa 64.000 Euro – eine ethisch wie finanziell heikle Situation. Die Frage bleibt, ob ein Leben hinter Gittern ohne menschlichen Kontakt wirklich Tierschutz ist oder die grausamere Alternative zur Einschläferung.



