Immer mehr Städte und Gemeinden in Deutschland reagieren auf die Gefahr durch nächtliche Mähroboter: Sie verbieten den Betrieb der automatischen Rasenmäher in den Nachtstunden. Der Grund sind zahlreiche verletzte und getötete Igel, die nachts auf Nahrungssuche sind und von den leisen Geräten überrollt werden.
Die Entwicklung hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen. Immer häufiger berichten Tierschutzvereine und Wildtierstationen von Igeln, die mit schweren Schnittverletzungen angefunden werden. Diese Tiere stammen meist aus Gärten, in denen Mähroboter auch in der Dämmerung und nachts unterwegs sind.
Warum Igel besonders gefährdet sind
Igel sind nachtaktive Tiere, die erst bei Einbruch der Dunkelheit aktiv werden. Sie durchstreifen Gärten auf der Suche nach Käfern, Würmern und Schnecken. Mähroboter arbeiten genau zu dieser Zeit oft stundenlang leise im Hintergrund. Die Tiere nehmen die Gefahr nicht wahr – und anders als viele andere Tiere flüchten sie nicht, sondern rollen sich zusammen.
Die scharfen Klingen der Mähroboter können dabei schwere Verletzungen verursachen. Besonders betroffen sind junge Igel, die noch unerfahren sind, aber auch ausgewachsene Tiere haben kaum eine Chance. Tierschützer vergleichen die Folgen mit einem Aufprall auf eine Kreissäge.
So reagieren die Kommunen
Einige Kommunen haben bereits gehandelt und eigene Regelungen erlassen. Sie stützen sich dabei auf das Ordnungsbehördengesetz und die Gefahrenabwehrverordnung. In den betroffenen Gebieten ist der Betrieb von Mährobotern in der Zeit von 20 Uhr abends bis 7 Uhr morgens untersagt. Bei Verstößen drohen Bußgelder – die genauen Beträge legen die einzelnen Städte und Landkreise fest.
Die Verbote stoßen nicht überall auf Verständnis. Manche Gartenbesitzer argumentieren, dass die automatischen Mäher eine große Erleichterung seien und man den Igelschutz nicht übertreiben dürfe. Dennoch wächst die Einsicht, dass der Schutz wildlebender Tiere Vorrang haben sollte. Naturschutzverbände begrüßen die Entwicklung und fordern, möglichst viele Kommunen zum Nachziehen zu bewegen.
Was Hobbygärtner zum Igelschutz beitragen können
Auch ohne ein behördliches Verbot können Grundstücksbesitzer die nächtliche Nutzung ihres Mähroboters einschränken. Empfohlen wird, die Geräte nur tagsüber einzusetzen und den Rasen kurz vor dem Mähen noch einmal nach Igeln abzusuchen. Besonders gefährlich sind Bereiche unter Hecken und in der Nähe von Laub- oder Reisighaufen, wo Igel sich gern verstecken.
Wer einen Igel im Garten entdeckt, sollte ihn nicht anfassen, sondern ihm Zeit geben, sich zurückzuziehen. Ehrenamtliche Pflegestationen versorgen verletzte Tiere, aber die Überlebenschancen sind bei tiefen Schnittwunden oft gering. Daher ist die Prävention der wichtigste Schutz.
Für die Zukunft setzen Experten auf technische Verbesserungen: Mähroboter könnten mit Wärmesensoren oder Kameras ausgerüstet werden, die Tiere erkennen und den Klingen ausweichen. Bis diese Systeme serienreif sind, bleibt die nächtliche Ruhe der wirksamste Schutz für Igel.
Die aktuellen Verbote einzelner Kommunen könnten dabei nur der Anfang sein. In mehreren Umweltausschüssen wird bereits über eine landesweite Regelung diskutiert. Auch der Bundesgesetzgeber könnte sich irgendwann mit dem Thema befassen. Eines ist klar: Das Problem ist erkannt, und der Druck auf Hersteller und Nutzer wächst.



