Mülldetektive in NRW: Illegale Abfälle mit Erfolg verfolgt
Mülldetektive in NRW: Illegale Abfälle mit Erfolg verfolgt

Frank Schaar zieht die orangefarbenen Handschuhe an und greift beherzt in den Müllberg. „Das hier ist einfach“, schmunzelt er und zieht einen Karton mit einem Adressaufkleber heraus. Dieser Person wird bald Post vom Ordnungsamt bekommen. Schaar ist der erste Abfallermittler der Stadt Bonn. Er soll helfen, die Verursacher illegalen Mülls ausfindig zu machen.

Wilder Müll: Ein wachsendes Problem

Wilder Müll ist in Bonn wie auch vielen anderen Städten ein Problem. An Straßenrändern, auf abgelegenen Plätzen und in Wäldern finden sich immer wieder ausgediente Möbel, Abfallsäcke oder Farbeimer. Der Landesbetrieb Straßen.NRW klagt: „Auf den Rast- und Parkplätzen entlang der Bundes- und Landesstraßen häufen sich die Fälle illegaler Müllentsorgung. Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei müssen immer häufiger ausrücken, um unrechtmäßig entsorgten Haus- und Sperrmüll, Bauschutt oder gar Gefahrstoffe aufwendig zu beseitigen.“

Beliebte Ablageorte in Innenstädten sind die Flächen rund um Wertstoffcontainer. Dort ist auch Schaar heute im Einsatz: Rund um die Container türmen sich unter anderem große Kartons, eine Matratze, Lampen, kaputtes Spielzeug, Säcke mit Hausmüll, eine alte Spülmaschine und mehrere leere Kanister Geschirrspülmittel. „Die werden vielleicht von einem Gastronomiebetrieb kommen“, mutmaßt Schaar. Aber ohne konkrete Hinweise sei der Verursacher kaum auszumachen. „Manchmal gibt es aber Zeugen, die gesehen haben, wie jemand etwas abgeladen hat. Wenn die bereit sind Angaben zu machen, ist es das beste, was uns passieren kann.“

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Erfolgsbilanz in Bonn

Noch ist Schaar als Abfallermittler allein im Einsatz, ab September sollen zwei Kollegen dazukommen. Die erste Zwischenbilanz der Stadt Bonn fällt positiv aus: Im ersten Halbjahr 2026 seien in rund 300 Fällen Ermittlungen zu wildem Müll aufgenommen worden. Im gesamten Jahr 2025 waren es – seinerzeit noch ohne den „Ermittlungsdienst Abfall“ – mit 328 nur wenige mehr. In über 80 Prozent der Fälle seien die Täter ermittelt worden und hätten Bußgelder erhalten, sagt der Abteilungsleiter Ordnungswidrigkeiten, Sascha Hessenbruch.

„Ich bin sicher, dass wir so einige Verursacher erwischen werden – und dass es auch eine abschreckende Wirkung hat, wenn sich das rumspricht“, ergänzt Hessenbruch mit Blick auf geplante Observationen an neuralgischen Punkten.

Mülldetektive in anderen Städten

Auch in einigen anderen Städten sind Mülldetektive unterwegs, etwa in Düsseldorf, Dortmund und Mönchengladbach. In der Landeshauptstadt haben die 14 Mitarbeiter 2025 nach Angaben einer Sprecherin gut 5.600 Kontrollen durchgeführt, in knapp 1.900 Fällen seien Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Gegen die Verursacher seien Verwarn- und Bußgelder in Höhe von insgesamt 196.000 Euro verhängt worden. In Dortmund wurden im vergangenen Jahr aufgrund der Arbeit des „Ermittlungsdiensts Abfall“ 590 Bußgeldbescheide über insgesamt 130.000 Euro verhängt.

Die Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe der Stadt Mönchengladbach (mags) informieren auf ihrer Internetseite: „Schon die unrechtmäßige Entsorgung von einer Tüte Restmüll kostet ab 100 Euro aufwärts, bei einer Kofferraumladung Sperrmüll sind es mindestens 600 Euro Bußgeld.“ Die Ecken, an denen sich illegale Abfälle türmten, seien fast immer die gleichen. So würden bestimmte Containerstandorte zweimal täglich gereinigt – trotzdem lägen dort wenige Stunden später erneut haufenweise Essensreste, Elektrogeräte oder andere ausrangierte Waren.

Broken-Window-Prinzip und steigende Meldungen

Auch die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) in Köln kennen das sogenannte Broken-Window-Prinzip, wie eine Sprecherin sagt: „Bereits vorhandener Müll senkt die Hemmschwelle für weitere illegale Ablagerungen.“ Die Meldungen zu wildem Müll hätten in Köln in den vergangenen Jahren zugenommen. Wurden 2020 noch 24.000 Meldungen registriert, seien es 2025 fast 30.600 gewesen. Neben einer tatsächlichen Zunahme sei dies auch auf ein gestiegenes Problembewusstsein in Teilen der Bevölkerung und vereinfachte Meldewege – etwa per AWB-App – zurückzuführen, sagt die Sprecherin. Insgesamt hätten die Mitarbeiter im vergangenen Jahr rund 2.900 Tonnen illegalen Mülls entsorgt – die Kosten von rund 15,5 Millionen Euro mussten die Bürgerinnen und Bürger über die Abfallgebühren tragen.

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Mülldetektive gibt es in Köln bislang nicht. Der Stadtrat hatte Ende 2024 einen „Masterplan Sauberkeit“ beschlossen, der auch die Einrichtung eines „Ermittlungsdienstes Abfall“ beinhaltet – wie das umgesetzt werden kann, wird nach Angaben der Stadt derzeit noch erörtert. Auch in Bielefeld soll die Verwaltung nach dem Willen der Politik Mülldetektive einsetzen – die Maßnahme befindet sich laut Stadt aktuell noch in Bearbeitung.

Kosten für die Allgemeinheit

Das Problem des wilden Mülls sei besonders ärgerlich, weil die Entsorgung der meisten Dinge für Privathaushalte kostenlos sei – Sperrmüll und Elektrogeräte würden sogar vor der Haustür abgeholt, sagt Jérome Lefèvre, Sprecher der Abfallbetriebe Bonnorange. Insofern sei es unverständlich, warum Menschen ihren Unrat extra ins Auto packten, um ihn dann illegal irgendwo abzulegen.

Unter anderem in Dortmund observieren die Ermittler nach Angaben der Stadt nachts und an Wochenenden neuralgische Ablagepunkte, um Müllsünder auf frischer Tat zu ertappen. Auch in Bonn sollen sich die Mitarbeiter demnächst an einschlägig bekannten Ablagestellen „auf die Lauer legen“, wie Ordnungsdienst-Leiter Hessenbruch sagt. Die Abschreckungswirkung solcher Maßnahmen sei nicht zu unterschätzen – wenn sich herumspreche, dass mit Bußgeldern zu rechnen sei, sinke die Bereitschaft, Abfälle illegal zu entsorgen.