Der sogenannte „Penisfisch“ sorgt regelmäßig für Aufsehen – doch hinter dem kuriosen Namen verbirgt sich ein faszinierendes Meerestier mit einer wichtigen ökologischen Funktion. Der rosafarbene Igelwurm Urechis unicinctus ist weder ein Fisch noch selten, sondern ein bemerkenswerter Bewohner der Meere, der in Sand- und Schlickböden lebt und dort ganze Ökosysteme unterstützt.
Ein Wurm mit ungewöhnlicher Gestalt
Der „Penisfisch“ gehört zur Gruppe der Igelwürmer und trägt den wissenschaftlichen Namen Urechis unicinctus. Je nach Alter und Art erreicht er eine Länge von etwa 10 bis 30 Zentimetern. Seine gelblich bis rosafarbene, runzlige Haut und die auffällige, phallusähnliche Körperform haben ihm den Spitznamen eingebracht. In Südkorea ist er als „Gaebul“ bekannt, was übersetzt „Hundepenis“ bedeutet. Außerhalb Asiens wird er meist als „Penisfisch“ oder „Peniswurm“ bezeichnet.
Anders als Regenwürmer lebt der Igelwurm ausschließlich im Meer. Er gräbt sich in sandigen oder schlammigen Meeresboden und verbringt dort den Großteil seines Lebens. Seine u-förmigen Röhren dienen ihm als Wohn- und Fresskammer.
Ein Zuhause für andere Meerestiere
Der Wurm pumpt durch seine Röhren kontinuierlich Meerwasser und filtert mit einem klebrigen Schleimnetz Plankton, Algen, Bakterien und andere organische Partikel aus dem Wasser. Anschließend frisst er das Netz mitsamt der Beute. Diese Lebensweise macht ihn zu einem wichtigen Bestandteil des Nahrungsnetzes.
Von den Röhren profitieren auch andere Tiere: Kleine Fische, Krebse und weitere Meeresbewohner nutzen sie als Unterschlupf. Daher trägt der Wurm im Englischen den Namen „Fat Innkeeper Worm“ – also „dicker Herbergswurm“. Er schafft Lebensraum und trägt zur Durchlüftung des Meeresbodens bei, was wiederum die Nährstoffzirkulation fördert.
Warum Tausende am Strand landen
Immer wieder werden große Mengen der Würmer an Strände gespült, zuletzt in Patagonien. Lange Zeit galten Stürme und starke Wellen als Ursache. Eine japanische Studie zeigte jedoch, dass die Tiere aktiv schwimmen können. Möglicherweise verlassen sie ihre Röhren zur Fortpflanzung und werden anschließend von Strömungen an Land getragen.
In Südkorea, China und Japan gelten die Würmer als Delikatesse und werden häufig roh serviert. Für Menschen sind sie völlig harmlos. Gleichzeitig lockern sie den Meeresboden auf, filtern Nahrungsreste aus dem Wasser und bieten zahlreichen anderen Arten einen geschützten Lebensraum. Damit sind sie weit mehr als nur ein kurioser Name – sie sind ein unverzichtbarer Teil des marinen Ökosystems.



