Zum ersten Mal seit Tagen kehrt in den Waldbrandgebieten rund um Madrid vorsichtige Hoffnung zurück. Die ersten Bewohner dürfen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren – Orte, die sie überstürzt verlassen mussten, als Rauch und Flammen bedrohlich nahe rückten. Doch die Sorge bleibt: Die Behörden warnen, dass der Wind und die angekündigte Hitzewelle die Brände jederzeit wieder aufflammen lassen könnten.
Emotionale Heimkehr in Cenicientos
Die Rückkehr nach Cenicientos ist für Julia Farías (25) und ihren Freund Hassan El Ayadi (19) ein Moment voller Erleichterung. „Wir freuen uns, wieder da zu sein“, sagt Julia. Doch ganz unbeschwert ist die Freude nicht. „Trotzdem fühlt sich alles noch irgendwie leer und komisch an.“ Die Bilder der Flucht am Sonntag haben sich eingebrannt: „Alles war voller Rauch. Man konnte kaum noch atmen.“ Das junge Paar musste sich bei der Flucht durch dichte Rauchwolken kämpfen, die Atemnot verursachten.
Auch María Isabel Montero (80) und ihr Ehemann Fernando Zurdo (85) erleben diesen Tag als etwas ganz Besonderes. Seit 58 Jahren sind sie verheiratet, ihr Haus in Cenicientos ist der Mittelpunkt ihres Lebens. „Wir mussten sofort unser Zuhause verlassen“, erzählt María Isabel. „So etwas haben wir noch nie erlebt.“ Die Erleichterung nach der Rückkehr ist kaum in Worte zu fassen. „Jetzt wieder zu Hause, fühlt es sich so an, als wären wir noch einmal neu geboren worden.“ Noch wirkt ihr Heimatort wie ausgestorben; viele Bewohner befinden sich weiterhin in Notunterkünften und warten auf die Freigabe der Behörden.
Tiere als größte Sorge
Besonders emotional verlief die Heimkehr für Guillermina Pereira (49) und Sergio Gallardo (50) aus Cadalso de los Vidrios. „Wir waren praktisch von den Flammen umzingelt“, berichtet Guillermina. Doch nicht das eigene Haus bereitete ihnen die größten Sorgen – es waren ihre Tiere. „Unseren Hund konnten wir mitnehmen, aber unsere 20 Hühner mussten wir zurücklassen.“ Drei Tage lang hatten sie keine Möglichkeit, die Tiere zu versorgen. „Das war für uns das Schlimmste.“ Deshalb führte ihr erster Weg nicht ins Haus, sondern zum Stall. „Sie waren völlig geschwächt und konnten kaum noch laufen.“ Doch zum Glück hatten alle Hühner überlebt. Erst danach betraten die beiden ihr Zuhause. „Alles roch nach Rauch.“ Anfangs hätten sie sogar im Haus noch Atemschutzmasken getragen.
Weiterhin akute Gefahr
Trotz der Rückkehr bleibt die Lage in Spanien angespannt. Die Behörden warnen vor neuer Extremhitze mit bis zu 42 Grad. Viele Bewohner fürchten, ihre Häuser wegen wieder aufgeflammter Waldbrände schon bald erneut verlassen zu müssen. In diesem Jahr wurden in Spanien durch Waldbrände bereits mehr als 200.000 Hektar Land zerstört – eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie der Nationalpark Sierra de Guadarrama. Die Asche bedeckt weite Landstriche, und der Rauch ist noch immer in der Luft spürbar.
In Pelayos de la Presa, 65 Kilometer westlich von Madrid, stehen völlig zerstörte und ausgebrannte Häuser als Mahnmale der Katastrophe. Der Blick auf den Stausee San Juan zeigt ausgebrannte Flächen, so weit das Auge reicht. Die Rückkehr der Bewohner ist ein erster Lichtblick, doch die Gefahr bleibt allgegenwärtig.



