Waldbrandschutz: Experte will Siedlungen besser schützen
Waldbrandschutz: Experte will Siedlungen besser schützen

Ein Feldbrand in einem Stadtteil von Neuruppin ist in der vergangenen Woche bedrohlich nahe an ein Wohngebiet herangerückt. Die Einsatzkräfte konnten ein Übergreifen der Flammen auf Häuser verhindern, doch zunächst bestand die Gefahr einer Evakuierung. Der Vorfall zeigt nach Ansicht von Fachleuten, dass der Schutz von Siedlungen an der Grenze zum Wald dringend verbessert werden muss.

„Darauf muss das Augenmerk gerichtet werden in den kommenden Jahren“, sagt Philipp Haase, stellvertretender Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, mit Blick auf die Übergänge zwischen Wohnbebauung und Wald. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte er, dass in diesem Bereich ein erhöhtes Risiko bestehe, dass Brände von Feldern oder Wäldern auf Wohngebäude überspringen. Fachleute bezeichnen diese Zone als „Wildland-Urban Interface“ – die Schnittstelle zwischen bebautem Gebiet und natürlicher Vegetation.

Ein Feldbrand bringt die Gefahr ins Bewusstsein

Der Brand in Neuruppin ist ein Beispiel dafür, wie schnell sich ein Flächenbrand in der Nähe von Wohnhäusern entwickeln kann. Zwar handelte es sich nicht um einen Waldbrand, sondern um einen Feldbrand, doch die Gefahr für die Bewohner war ähnlich groß. Die Feuerwehr war mit zahlreichen Kräften im Einsatz, um die Flammen einzudämmen. Dass es nicht zu einer Evakuierung kam, galt als glückliche Fügung.

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Haase sieht in der Siedlungsentwicklung der vergangenen Jahre eine der Hauptursachen für die wachsende Gefahr. „In den letzten Jahren sind immer wieder Siedlungsbereiche an Wald herangebaut worden“, sagte er. Als Beispiele nannte er Gebiete in Potsdam und Beelitz. Dort liegen Wohnhäuser direkt an Waldrändern, ohne ausreichende Abstandsflächen oder Brandschutzstreifen. Diese Entwicklung müsse nun mit geeigneten Konzepten nachträglich abgesichert werden.

Schutzkonzepte und Waldumbau sind zentrale Bausteine

Um Siedlungsbereiche besser zu schützen, sind aus Sicht des Experten mehrere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehören Waldbrandschutzwege, die Einsatzkräften einen schnellen Zugang zu schwer erreichbaren Waldabschnitten ermöglichen, sowie Löschwasserentnahmestellen, die im Ernstfall eine zuverlässige Wasserversorgung sicherstellen. Auch der Waldumbau spielt eine wichtige Rolle: Wer monotone Kiefernwälder in artenreiche Laubmischwälder umwandelt, reduziert die Brandlast und verlangsamt die Ausbreitung von Feuern.

Die Stadt Beelitz hat diesen Weg bereits eingeschlagen. Sie ließ im Jahr 2022 eine Risikoanalyse erstellen und entwickelte auf dieser Grundlage ein Schutzkonzept für die besonders gefährdeten Bereiche. Damit könnte Beelitz als Vorbild für andere Kommunen in Brandenburg dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Haase zufolge werden solche Konzepte in den kommenden Jahren immer wichtiger.

Blick nach Südeuropa: Waldbrände vertreiben Hunderttausende

Wie verheerend Waldbrände sein können, zeigen die Ereignisse in Südeuropa. In Frankreich mussten an der Atlantikküste bei Bordeaux zuletzt hunderttausende Menschen ihre Häuser verlassen, ganze Ortschaften wurden evakuiert. Die Feuerwehr kämpfte über Wochen gegen die Flammen, die in den trockenen Wäldern immer wieder neu aufflammten. Diese Erfahrungen machen deutlich, dass der vorbeugende Brandschutz nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Auch in Brandenburg ist die Waldbrandgefahr in den Sommermonaten hoch. Langanhaltende Trockenheit und extreme Hitze setzen den Wäldern zu und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Bränden. Umso wichtiger ist es, an den Schnittstellen zwischen Natur und Siedlungen vorzusorgen. Dazu gehören nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch die Frage, wie neue Baugebiete in Waldnähe ausgewiesen werden.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Konzepte Wirkung entfalten. Für Philipp Haase steht jedenfalls fest: Der Schutz von Wohngebieten am Waldrand hat oberste Priorität. Die Politik ist gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen – von der Finanzierung über die Planung bis zur Umsetzung.

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