Die Waldbrandlage in Griechenland hat sich in der Nacht zum Sonntag dramatisch zugespitzt. Sämtliche Brände westlich von Athen und auf der Halbinsel Peloponnes haben sich massiv ausgeweitet. Die Behörden ordneten für mehrere Ortschaften Evakuierungen an. In Frankreich hingegen erklärte die Regierung die Brände im Südwesten „im Großen und Ganzen“ für unter Kontrolle.
Griechenland: Dörfer und Küstenorte geräumt
Alepochori, Psatha und Zachouli – Bewohner und Touristen mussten am Samstagabend diese und viele andere griechische Ortschaften rund 60 Kilometer westlich von Athen verlassen. Auch etwa 100 Kilometer weiter westlich brennt es, ebenso im Norden der Halbinsel Peloponnes. Das Ministerium für Bürgerschutz versendete in die betroffenen Regionen Warn- und Evakuierungs-SMS – für den Fall, dass jemand die dichten Rauchwolken und die nahende Gefahr noch nicht wahrgenommen hatte.
Besonders in der Region um das Dorf Porto Germeno breiteten sich die Flammen am Samstagnachmittag nahezu ungebremst aus. Starke Winde fachten das Feuer an und machten Löschflugzeuge weitgehend wirkungslos. In den frühen Abendstunden gelang es immerhin einigen Löschhubschraubern aufzusteigen, weil der Wind kurzzeitig nachließ. Mit Einbruch der Nacht mussten die Luftfahrzeuge jedoch erneut am Boden bleiben – eine Zwangspause für die Helfer aus der Luft.
500 Feuerwehrleute im Einsatz, 5.000 Hektar verbrannt
Am Boden kamen die Rettungskräfte kaum voran, obwohl laut einem Polizeisprecher rund 500 Feuerwehrleute im Einsatz waren, darunter auch Kollegen aus Rumänien und Frankreich sowie unzählige Freiwillige. Die Feuerwand war gewaltig, teils schlugen die Flammen weit über die gut 20 Meter hohen Bäume in den Nachthimmel. Nach ersten Schätzungen sind etwa 5.000 Hektar verbrannt – eine Fläche von rund 50 Quadratkilometern, fast so groß wie die Stadt Konstanz.
Aus der Region Attika um Athen kamen schwere Baumaschinen und Tankwagen mit Wasser zur Unterstützung. Bagger schlugen Schneisen, um das Feuer zu bremsen. „Das Bild sei albtraumhaft“, sagte der stellvertretende Gouverneur von Böotien, Giorgos Dasiotis, dem Sender ERTNews. „Wenn der Wind nicht nachlässt, kann das Unheil nicht mehr aufgehalten werden.“ Für Sonntag wird eine leichte Windabnahme erwartet – die Hoffnung ruht dann auf den Löschflugzeugen und -hubschraubern.
Frankreich: Lage im Südwesten entspannt sich
Nachdem insbesondere ein massiver Brand im Südwesten Frankreichs in den vergangenen anderthalb Wochen das Land in Atem gehalten hatte, ist die Gefahr dort derzeit größtenteils gebannt. „Im Großen und Ganzen sind die Brände in unserem Land mittlerweile unter Kontrolle“, sagte Premierminister Sébastien Lecornu in einem am Samstagabend veröffentlichten Interview mit der Zeitung „La Tribune Dimanche“.
Die Präfektur der vom Megafeuer betroffenen Region bei Bordeaux betonte jedoch, dass ein unter Kontrolle befindliches Feuer nicht bedeute, dass es gelöscht sei. Auch wenn sich die Flammen nicht weiter ausbreiteten, kümmerten sich Einsatzkräfte und Landwirte weiterhin um Rauch- und Glutstellen im gesamten Gebiet. Die Behörde bezeichnete den Brand als „absolut beispiellos“ – ungünstige Wetterbedingungen wie Wind, hohe Temperaturen und Trockenheit erklärten seine Intensität.
Bilanz in Frankreich: Hunderte Gebäude zerstört
Laut Präfektur wurden nach einer vorläufigen Bilanz 252 der 2.725 Gebäude im Brandgebiet an der französischen Atlantikküste zerstört. Von den 224.000 evakuierten Menschen konnten mittlerweile 208.000 zurückkehren. In der Bevölkerung gab es nach Angaben der Präfektur weder Tote noch Verletzte. Allerdings seien mehr als 330 Feuerwehrkräfte verletzt worden.
Im südfranzösischen Département Var kämpfen Feuerwehrleute seit Freitag gegen einen wieder aufgeflammten Brand auf einer Fläche von rund 1.800 Hektar. Etwa 2.800 Menschen wurden der Präfektur zufolge evakuiert. Mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber waren am Samstag im Einsatz. Trotz der Sorge vor starken Winden zeigte sich die Lage am Abend stabil. Der Präfekt sprach von „einer Schlacht, die gewonnen wurde“, auch wenn es noch nicht das Ende sei. Die Löschmaßnahmen müssten die ganze Nacht bis Sonntag „in außergewöhnlichem Umfang“ aktiv bleiben, hieß es in der Mitteilung.



